12. September 2008 07:53

Airline-Poker 

Vier Airlines matchen sich um die AUA

Kommenden Montag fällt die Entscheidung, wer von den vier Interessenten in die engere Wahl kommt. Lufthansa, Air France/KLM und British Airways gelten als fix.

Vier Airlines matchen sich um die AUA
© APA

Die erste Vorentscheidung beim Verkauf der AUA ist gefallen. Bis gestern hatten die Interessenten Zeit, bei der Investmentbank Merrill Lynch unverbindliche Angebote zu legen. Merrill Lynch ist mit der Abwicklung des Verkaufs betraut.
Vier sind es geworden: Die Lufthansa, seit Langem als Favorit gehandelt, Air France/KLM, British Airways und S7 (Russland) wollen die österreichische Fluglinie haben.
Nun geht es Schlag auf Schlag: Kommenden Montag tagt der Privatisierungsausschuss, dem Magna-Chef Siegfried Wolf vorsteht. Dieses Gremium entscheidet, welche Bieter auf die sogenannte Shortlist gesetzt werden und Zugang zum Datenraum der AUA mit allen Finanz-Zahlen und Fakten bekommen.
Die ausgewählten Airlines haben dann bis zum 21. Oktober Zeit, ein verbindliches Angebot zu legen. Dieses muss dann auch den Preis enthalten, den das Unternehmen für die AUA zu zahlen bereit ist.

S 7 als Jolly Joker
Das Finale im Poker um die AUA dürfte noch spannend werden. Denn schon bei den Kandidaten für die Shortlist scheiden sich die Geister. Lufthansa, Air France/KLM und British Airways sind fix. Fraglich ist aber, ob es auch die S 7, zweitgrößte russische Fluglinie nach der Aeroflot, in die nächste Runde schafft.
Dafür spricht, dass die S 7 den Kaufpreis in lichte Höhen treiben könnte. Sie tritt als krasse Außenseiterin an und kann mangels internationaler Netzwerke vor allem mit Geld punkten. Experten erwarten, dass der Aktienkurs der AUA auf sieben bis acht Euro steigen könnte, wenn die S 7 weiter im Spiel bleibt.
Genau das spricht auch gegen einen Platz für die S 7 auf der Shortlist. Vor allem innerhalb der AUA selbst wird befürchtet, dass dem künftigen Eigentümer bei einem zu hohen Kaufpreis nicht mehr genug Geld für Investitionen in die Expansion der Austro-Fluglinie bleibe.

Polit-Tauziehen
Das SPÖ-Lager tendiert eher zur S 7, die ÖVP eher dagegen. Peter Michaelis, Chef der Staatsholding und AUA-Haupteigentümerin ÖIAG, steht der ÖVP nahe.
Magna-Boss Wolf hat als Vorsitzender des Privatisierungsausschusses angekündigt, objektiv entscheiden zu wollen – also ohne die von vielen Seiten erwartete Bevorzugung der Lufthansa.
Es wird allerdings gemunkelt, dass bei Wolf mächtige Fürsprecher für die Russen-Airline S 7 vorstellig geworden sein könnten. Schließlich ist bei Magna der Oligarch Oleg Deripaska an Bord.
Am Montag wissen AUA-Aktionäre mehr.

Die vier Interessenten
Lufthansa

Für die Lufthansa spricht, dass sie wie die AUA in der Star Alliance fliegt, die Unternehmenskulturen gut zusammenpassen und seit Langem beste Kontakte zwischen den Airlines bestehen. Allerdings: Die Streckennetze überschneiden sich, die AUA könnte Destinationen aufgeben müssen und damit schrumpfen. Chance: 60 %

Air France/ KLM
Der Nachteil der Franzosen: Sie fliegen in einer anderen Allianz als die AUA. Air France/KLM hat aber im Osten Aufholbedarf und finanziert möglicherweise den rund 100 Mio. Euro teuren Allianzwechsel. Und: Es gibt keine Überschneidungen mit der AUA. Viele Experten ziehen die Air France/KLM der Lufthansa als Partner vor. Chance: 25 %.

British Airways
Die Engländer haben sich bisher kaum um den Ostmarkt gekümmert und könnten die AUA deshalb gut brauchen. Nachteile: Auch in dieser Variante wäre ein Allianz-Wechsel erforderlich. Durch ihre späte Interessensbekundung haben die Briten gegenüber ihrer Konkurrenz zudem Boden verloren.

S 7
Niemand hatte die zweitgrößte russische Fluglinie bei der AUA auf der Rechnung. Punkten kann die Fluglinie, die einer reichen Russin gehört und im Einflussbereich der Gazprom stehen soll, vor allem durch ein gutes Angebot. Bleibt sie im Spiel, könnte sie die AUA für die anderen teurer machen.




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