09. Februar 2009 15:16

Sonst Insolvenz 

AUA muss viel mehr sparen als geplant

Bei der AUA-Aufsichtsratssitzung wurden die neuen Vorstände Malanik und Bierwirth bestellt. Ein Beschluss zum Sparpaket blieb aus.

AUA muss viel mehr sparen als geplant
© APA

Am Vormittag berieten maßgebliche Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter zur AUA-Krise. Um 14 Uhr begann die AUA-Aufsichtsratssitzung, bei der das noch vor dem Lufthansa-Einstieg nötige aktuelle Krisensparpaket beraten wurde, und mit dem der Vorstand heuer 225 Mio. Euro und bis 2012 weitere 200 Mio. Euro einsparen will. Gegen 20 Uhr war der erste Teil der Sitzung beendet.

Neues Führungsduo
Während der Aufsichtsrat in seiner Sondersitzung wie geplant Peter Malanik und Andreas Bierwirth als gleichberechtigte Vorstände zum neuen Führungsduo nach dem Rücktritt von Alfred Ötsch bestellt hat, blieb ein Beschluss zum Sparpaket aus. Diese Woche soll weiterverhandelt werden, so AUA-Sprecherin Livia Dandrea.

Viel mehr Sparen nötig
Beobachter glauben, dass die Sparmaßnahmen letztlich weit drastischer ausfallen müssen und auch ein größerer Personalabbau unvermeidlich sein wird, um das Ruder noch herumzureißen, das Überleben der Fluggesellschaft zu sichern. AUA-Aufsichtsratspräsident Peter Michaelis hatte Mitte voriger Woche die Rute ins Fenster gestellt: Greift das Sparpaket, stehe die AUA nicht vor der Pleite.

Airline streicht Flüge zwischen Klagenfurt und Wien

In den Monaten März und April wird am Samstag der Kurs 17:05 Uhr Wien-Klagenfurt gestrichen und in der Gegenrichtung der Kurs um 18:15 Uhr. Montag und Mittwoch wird die 13:50-Uhr-Maschine von Wien gestrichen und damit auch der Retourflug um 15:15 Uhr nach Klagenfurt. Am Dienstag wird laut AUA Wien-Klagenfurt um 10:20 Uhr gestrichen und retour um 11:40 Uhr. In den Monaten Juli und August entfällt am Dienstag und Donnerstag der Kurs Wien-Klagenfurt um 13:50 Uhr, ebenso retour die Maschine um 15:15 Uhr ab Klagenfurt.

Pleite wäre noch teurer
Eine Insolvenz der AUA mit ihren derzeit 8.000 Beschäftigten auf jeden Fall verhindern wollen die Gläubigerbanken, auch die staatlichen Töpfe für solche Fälle würden damit wohl überbelastet.

Notkredit könnte zu wenig sein
Von dem aktuellen Sparpaket hängt auch ab, ob die AUA mit einem im Dezember gewährten Notkredit über 200 Mio. Euro auskommt. Hätte es Ende Dezember nicht eine erste Tranche von 67 Mio. Euro gegeben, wäre die Liquidität schon einmal bedrohlich knapp gewesen. Ein ausreichender Polster ist auch für anstehende Schuldentilgungen in den nächsten Wochen nötig.

10% weniger Geld für Chefs
Teile des akuten Sparpakets sind aufsichtsratspflichtig, andere Teile sofort umsetzbar. Ein Part des mehrstufigen Gehaltsverzichts (5 Prozent, 7,5 und 10 Prozent) für Vorstand und weitere Führungskräfte gilt als umgesetzt. So verzichtet der Vorstand per sofort (rückwirkend per 1. Februar) vorerst für ein Jahr auf ein Zehntel seiner Gagen. Die Belegschaftsvertreter wollen freilich, dass die Chefs auf ein Viertel ihrer Bezüge verzichten.

Prämien derzeit gestrichen
Erfolgsprämien sorgten zuletzt für Aufruhr, sind nun zumindest bis zur Lufthansa-Übergabe ausgesetzt. Variable Bestandteile, die mit einem Unternehmenserfolg verbunden gewesen wären, gibt es durch die eklatanten Ergebnis-Zielverfehlungen ohnedies nicht.

Personal soll auch zurückschrauben
Von der Belegschaft wird auch ein freiwilliger Gehaltsverzicht verlangt. Details über Kurzarbeit in Konzernsparten, Zwangsurlaube, Teilzeit, die Gehaltsverzichte sowie Sparbeiträge für "Lieferanten" und sonstige "Partner" sind in Verhandlung. Streckenkürzungen sind bereits verfügt, die Kapazitäten werden um 10 Prozent (zuvor geplant: 5 Prozent) zurückgeschraubt.

AUA-Chef Alfred Ötsch hat vor zehn Tagen seinen Hut nehmen müssen. Heute im Aufsichtsrat werden die beiden Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth auch formal zu interimistischen Ötsch-Nachfolgern gemacht.




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