26. April 2008 11:21

Lauschangriff 

Abhöraffäre bei Porsche und Volkswagen

Porsche-Chef Wiedeking und Ex-VW-Vorstand Bernhard sollen mit einem Babyphone bespitzelt worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Abhöraffäre bei Porsche und Volkswagen
© AP

Bei den deutschen Autobauern Porsche und Volkswagen gibt es Magazinberichten zufolge eine Abhöraffäre: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sei Mitte November offenbar mit Hilfe eines Babyphones in einer Wolfsburger Hotelsuite bespitzelt worden, berichteten "Spiegel" und "Focus" am Samstag im Voraus. In dem Fall ermittelt demnach die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Auch der frühere VW-Vorstand Wolfgang Bernhard soll den Magazinen zufolge bereits vor einiger Zeit in seiner Wolfsburger Privatwohnung belauscht worden sein.

Laut "Focus" liegen dem Porsche-Werksschutz zudem Erkenntnisse vor, dass Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück bei Gesprächen vom Festnetz-Telefon in seinem Büro in Stuttgart-Zuffenhausen abgehört wurde.

Den Berichten zufolge ist bisher unklar, wer hinter den mutmaßlichen Abhöraktionen stecken könnte. Im Fall Wiedeking hatte demnach ein Sicherheitsdienst dessen Wolfsburger Hotelsuite überprüft und hinter einem Sofa das eingeschaltete Babyphone entdeckt. Porsche gehe von einem "gezielt gegen Wiedeking gerichteten Abhörversuch aus", berichtete der "Spiegel". "Focus" zufolge war das Babyphone offenbar während des gesamten Aufenthalts von Wiedeking aktiviert. Porsche unterrichtete demnach erst vor wenigen Tagen VW über den Vorfall im Luxushotel. Am Mittwoch habe VW das niedersächsische Landeskriminalamt eingeschaltet. Ein VW-Sprecher sagte dem Magazin, VW habe mit der Sache nichts zu tun. Porsche wollte sich laut "Focus" nicht äußern.

In der Privatwohnung des Ex-VW-Vorstands Bernhard in Wolfsburg entdeckten Privatdetektive eine Wanze, berichteten beide Magazine übereinstimmend. Das Abhörgerät hatte laut "Spiegel" offenbar schon eine Weile seinen Dienst verrichtet, da die Batterie halb leer gewesen sei. Dem "Focus" zufolge hatte sich der damalige Chef der Kernmarke VW vor rund zwei Jahren darüber gewundert, dass Manager-Kollegen über vertrauliche Gesprächsinhalte informiert waren. Bernhard, der wenige Monate später den Autobauer verließ, war laut "Focus" für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Volkswagen wollte sich demnach nicht zum Fall Bernhard äußern.

Im Fall der mutmaßlichen Bespitzelung von Porsche-Betriebsratschef Hück in der Stuttgarter Porsche-Zentrale schaltete das Unternehmen laut "Focus" die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein. Außerdem werde Hücks Büro Mitte Mai zum abhörsicheren Komplex umgebaut, berichtete das Magazin - unter anderem mit neuen Fensterscheiben und dickeren Wänden.




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