09. April 2009 14:54

9.000 Geschädigte 

Advovin will Meinls Landgut plombieren

Der Prozessfinanzierer Advofin will in der Causa Meinl schon wieder eine einstweilige Verfügung zur Sicherstellung von Vermögen für mutmaßlich geschädigte Anleger der ehemaligen Meinl European Land (MEL, heute Atrium Real Estate) erwirken.

Advovin will Meinls Landgut plombieren
© Podesser

Jetzt haben es die Anleger-Anwälte auf Julius Meinls Landgut Lehenshofen in der Gemeinde Rabenwald bei Pöllau (Bezirk Hartberg, Steiermark) abgesehen, berichtete das "WirtschaftsBlatt" am Donnerstag. Das Gericht soll Meinl verbieten, das Gut zu veräußern oder zu belasten, so das Ansinnen Advofins. Ein entsprechender Antrag soll heute eingebracht werden.

9.000 Geschädigte
Allein Meinls Adresse Rabenwald 38 habe einen Liegenschaftsumfang von 57 Hektar, so der Bericht. Laut Medienberichten dürfte die gesamte Liegenschaft, auf der unter anderem Fasane für die Jagd gezüchtet werden sollen und der Reiterei gefrönt werde, aber mindestens doppelt so groß sein. "Die Klage geht gegen Julius Meinl persönlich, und der hat verschiedene Wohnadressen in Österreich", sagte Advofin-Chef Franz Kallinger. Die Sicherstellung werde beantragt, um für die Geschädigten wegen etwaiger Schadenersatzforderungen auf Vermögen zugreifen zu können. Der Prozessfinanzierer vertritt rund 9.000 mutmaßlich geschädigte MEL-Anleger.

2 Mrd. Euro Forderungen
"Er hält sich unseren Wissens derzeit auf Gut Lehenshofen auf", so Advofin-Anwalt Ulrich Salburg, der den Antrag auf Plombierung noch am Donnerstag einbringen wollte, so die Zeitung. Darin führe der Rechtsvertreter an, dass auf Meinl Schadensersatzforderungen in der Höhe von 2 Mrd. Euro zukommen werden "und diese bei weitem auch dessen finanzielle Möglichkeiten übersteigen werden".

Rechtswidriger Kauf
In einer Klage, die Salburg ebenfalls heute beim Bezirksgericht Hartberg einbringen will, werde Meinl rechtswidriger Kauf eigener Aktien und Kursmanipulation, Irreführung hinsichtlich der Verwendung der veranlagten Gelder sowie hinsichtlich der Rendite aus den Mieteinnahmen der Immobilien vorgeworfen. Auch die Ausgabe der umstrittenen "Partly Paid Shares" (PPS) als Schutz vor mutmaßlicher feindlicher Übernahme ("Takeover Defense") werde erneut gegen den Banker ins Treffen geführt. Julius Meinl und die Meinl Bank haben diese Vorwürfe stets zurückgewiesen. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

In den Augen von Meinl-Verteidiger Herbert Eichenseder führen derartige Zivilverfahren "zu keinem Ziel". Wenn eine Klage direkt gegen Julius Meinl eingebracht werde, "erleidet diese das Schicksal aller Zivilverfahren, dass diese bis zu Beendigung des Strafverfahrens unterbrochen werden", so der Jurist laut Bericht.

Sicherstellung beantragt
Indes ist die Mega-Kaution von 100 Mio. Euro, die Meinl hinterlegen musste, um aus der U-Haft zu kommen, weiter Thema für Anlegervertreter. Gestern, Mittwoch, hat der Rechtsanwalt Wolfgang Haslinger im Namen hunderter MEL-Anleger bei der Staatsanwaltschaft Wien einen Antrag auf Sicherstellung der gesamten Kaution eingebracht.

600.000 Euro Gebühren
Advofin-Anwalt Salburg hatte wie berichtet bereits am Montag beim Bezirksgericht Wien-Döbling - also auf zivilrechtlicher Ebene - einen Antrag auf Einfrierung eines Teils der Kaution eingebracht. Wegen der hohen Gebühren wollte der Rechtsvertreter vorerst nur die Plombierung von 100.000 Euro erwirken. Ein Antrag auf Sicherstellung der ganzen Kautionssumme würde rund 600.000 Euro an Gebühren verschlingen, sagte Salburg Anfang der Woche.




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