17. November 2008 09:49

Chaos um Insolvenz 

Alle 17.000 Alitalia-Mitarbeiter auf Kurzarbeit

Wegen der 2,3 Mrd. Euro Schulden und wegen der wilden Streiks werden zahlreiche Flüge gestrichen. Um Air France-KLM als Partner wird schon gehandelt.

Alle 17.000 Alitalia-Mitarbeiter auf Kurzarbeit
© AP

Wegen der wilden Streiks und der Einführung der Kurzarbeit für Teil der Belegschaft hat die italienische Fluggesellschaft Alitalia am Montag über 100 Flüge streichen müssen. Allein auf dem römischen Flughafen Fiumicino wurden am Montag 70 Flüge gecancelt. Dabei kam es zu heftigen Passagierprotesten. Mehrere Ausländer, die über die Protestaktion nicht informiert waren, mussten stundenlang auf ihre Flüge warten.

Fünf der neun Alitalia-Gewerkschaften, darunter die Organisationen der Piloten und Flugbegleiter, wenden sich gegen die neuen Arbeitsverträge, die von den Übernahmeinteressenten des Investorenbündnisses CAI vorgelegt worden sind. Angeführt wird der Protest von einer radikalen Minderheit der Alitalia-Mitarbeiter, die seit einer Woche den Dienst arbeitswilliger Kollegen behindern.

Auf Kurzarbeit gestelllt
Die rund 17.000 Mitarbeiter der Alitalia sind auf Kurzarbeit gesetzt worden, berichtete der Insolvenzverwalter der Fluggesellschaft, Augusto Fantozzi, nach Medienangaben vom Montag. Die Alitalia-Belegschaft wurde schichtweise auf Kurzarbeit gestellt, da die Alitalia wegen ihrer finanziellen Probleme Dutzende von Flugverbindungen streichen musste.

Die Investorengruppe CAI, die von der EU die Genehmigung für die Übernahme der "alten" Alitalia erhalten hat, startet zugleich mit der Anstellung des Personals für die neue Fluggesellschaft, die aus der Fusion mit der privaten Airline Air One entstehen soll. Die neue Alitalia soll am 1. Dezember aus der Taufe gehoben werden. Über 12.000 Mitarbeiter soll die neue Fluggesellschaft beschäftigen. Der CAI-Plan sieht die Streichung von über 3.250 Jobs vor. Die Regierung in Rom hat den von der Kündigung bedrohten Beschäftigten bereits Entschädigungszahlungen für die kommenden sieben Jahre zugesichert.

Die Gläubiger der Alitalia drängen inzwischen auf die Rückzahlung ihres Geldes. Die Schulden der Alitalia betragen 2,3 Mrd. Euro, teilte Insolvenzverwalter Fantozzi mit.

Air France-KLM als aussichtsreichster Partner
Inzwischen verhandelt die Investorengruppe CAI, die der Regierung Berlusconi einen Plan zur Alitalia-Übernahme eingereicht hat, weiterhin um einen ausländischen Partner. Als aussichtsreichster Kandidat gilt die Gruppe Air France-KLM. Die Franzosen sollen Indiskretionen zufolge eine 25-prozentige Beteiligung an der "neuen" Alitalia übernehmen, die aus der Fusion der bankrotten Airline mit der privaten italienischen Fluggesellschaft Air One entstehen soll. Eine Einigung könnte bereits in den nächsten Tagen erzielt werden.




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