07. Jänner 2009 21:05

Zittern 

Am Montag tritt Gas-Notfallplan in Kraft

30 Experten aus Wirtschaft, Politik und von Energieunternehmen beschlossen gestern in Wien den Notfallplan gegen einen Gas-Engpass.

Am Montag tritt Gas-Notfallplan in Kraft
© EPA

Die Sorge der Österreicher ums Erdgas wächst, denn seit Tagen sind alle Gashähne des wichtigsten Lieferanten Russland zu.

OMV-Boss Wolfgang Ruttenstorfer spricht bereits von GAU: „Seit Mittwoch, 0 Uhr früh fließt kein russisches Gas über die Ukraine und die Slowakei nach Österreich. Das ist eine Situation, die es seit 40 Jahren nicht mehr gegeben hat. Man kann das als den größten anzunehmenden Unfall der Gasversorgung bezeichnen.“

Gleichzeitig ist über Österreich und halb Europa eine sibirische Kältewellen mit Temperaturen bis zu 20 Grad unter null hereingebrochen.

Angst vor Montag
30 Experten stellten gestern einen Notfallplan zusammen, um einen Gas-Engpass in Österreich zu vermeiden. „Wir fürchten uns vor der Montagsspitze am 12. Jänner“, so Michael Schmölzer, Energie-Control-Gasexperte. Kritisch könnte es nämlich dann werden, wenn der Verbrauch auf mehr als 1,7 Mio. m3 pro Stunde steigt, das ist die maximale Menge, die die Gas­lager hergeben. Erste Einschränkungen müssen dann zuerst industrielle Großabnehmer in Kauf nehmen.

Das ist der Notfallplan

  • Gasbefeuerte Kraftwerke benötigen 37 Prozent des gesamten Gases. Davon gibt es rund fünf große und zehn kleinere in ganz Österreich. Schon jetzt wurden die Kraftwerke in Wien, Theiß und Dürnrohr von Gas auf Kohle und Öl umgestellt. Weitere sollen folgen.
  • Bitter für die Industrie: „400 Kunden verbrauchen die Hälfte des gesamten Gases in Österreich. 60 bis 120 Industriebetriebe haben eine Größe, wo es sich lohnt, sich mit ihnen genauer auseinanderzusetzen“, so E-Control-Boss Walter Boltz. Diese Unternehmen müssen nun um ihr Gas bangen. Denn für sie soll laut Wirtschaftsminister Reinhold Mittlerlehner eine „Optimierung des Verbrauchs“ geprüft werden. Alle Fäden laufen bei der AGGM Austrian Gas Grid Management der OMV zusammen. Mitterlehner skizziert den Zeitplan: „Wir gehen davon aus, dass wir die nächsten Tage so bestehen werden können. Aber: 100-prozentig ist gar nichts.“ Die beiden größten Gasabnehmer voest­alpine und Wienerberger würden bei einem länger andauernden Ausfall jedenfalls mit Produktionskürzungen reagieren. „Falls die Gaskrise länger andauern sollte, werden wir die temporären Werksstillstände ausweiten“, sagt Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer.
  • Weniger brisant ist die Situation noch für die Privathaushalte. Mitterlehner: „Für die 3,2 Mio. Haushalte können wir für die nächsten drei Monate eine Versorgungsgarantie abgeben.“ Die Haushalte und sonstige Kleinabnehmer verbrauchen 33 Prozent des gesamten Gases in Österreich – in der kalten Heizperiode aber besonders viel. Auch Kanzler Faymann, derzeit auf der ersten Auslandsreise in der Schweiz, beruhigt: „Haushalte brauchen sich keine Sorgen zu machen.“
  • Künftig soll neben den drei bestehenden Gasspeichern auch noch ein weiterer in Schönkirchen im Marchfeld, gebaut werden.

Verhandlungen
Fakt ist: Ab heute sollen Russland und die Ukraine wieder über die Gaslieferungen verhandeln. Mitterlehner hofft auf eine Bereinigung des Konflikts in den nächsten 14 Tagen. Doch OMV-Boss Ruttenstorfer kommentiert nüchtern: „Wir gehen davon aus, dass wir uns in den nächsten Tagen und Wochen mit einer Situation wie der jetzigen anfreunden müssen.“




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