08. Februar 2008 11:36

2,5 Mrd Euro 

Anklage gegen Elsner verschärft

Die Anklage gegen Helmut Elsner wurde verschärft: Der Ex-BAWAG-Chef soll 2,5 Milliarden Euro Schaden angerichtet haben.

Anklage gegen Elsner verschärft
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Im BAWAG-Prozess hat am 68. Verhandlungstag Staatsanwalt Georg Krakow die Anklage teils verschärft. Von den neun Angeklagten wird nun Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner, seinem Nachfolger Johann Zwettler sowie den mitangeklagten drei früheren Vorständen Hubert Kreuch, Josef Schwarzecker und Christian Büttner sowie dem Spekulanten Wolfgang Flöttl ein höherer Schadensbetrag vorgeworfen. Bei Ex-BAWAG-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger und dem früheren Wirtschaftsprüfer Robert Reiter hat sich die Schadenssumme hingegen reduziert. Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Auch Karibik 1-Geschäfte gehen auf Elsners Kappe
Elsner wird nun auch Untreue bezüglich der "Karibik 1"-Geschäfte der BAWAG mit Wolfgang Flöttl vorgeworfen. Die Bank tätigte von 1987 bis 1994 bereits Sondergeschäfte mit Wolfgang Flöttl, dem Sohn des damaligen BAWAG-Generaldirektors Walter Flöttl. Elsner war damals schon Vorstandsmitglied und verteidigte nach dem Bekanntwerden der "Karibik"-Geschäfte öffentlich das Vorgehen der Bank. Nun wird Elsner Untreue mit dem Schadensausmaß von 2,5 Mrd. Euro vorgeworfen, zu Prozessbeginn waren Elsner "nur" 1,442 Mrd. Schaden angelastet worden. Strafrechtlich ist auch ein "vorläufiger Schaden" relevant, daher ist es unerheblich, dass die damals von Flöttl jun. veranlagten Gelder laut Berichten wieder an die Bank zurückgeflossen waren.

Elsners Nachfolger an der Bankspitze, Johann Zwettler, wird nun ein Schaden von 1,55 Mrd. Euro angelastet. Zu Prozessbeginn lautete die Anklage gegen Zwettler auf Untreue mit einem Schaden von 1,352 Mrd. Euro. Bei dem Spekulanten Wolfgang Flöttl wurde die laut Staatsanwaltschaft noch unbekannte Schadenssumme wegen einer Entnahme aus den BAWAG-Investments zu Jahresende 2000 um 20,3 Mio. Euro angehoben. Auch für den mitangeklagten früheren BAWAG-Vorstand Peter Nakowitz (ursprünglich angelastete Schadenssumme: 1,44 Mrd. Euro) hat sich die Anklage nun verschärft.

Kreuch, Schwarzecker und Büttner
Für die drei früheren BAWAG-Vorstände Hubert Kreuch, Josef Schwarzecker und Christian Büttner haben sich die angelasteten Schadenssummen ebenfalls erhöht. "Jetzt besteht zwischen den drei ehemaligen Vorständen Faktengleichheit", sagte Staatsanwalt Georg Krakow. Der vorgeworfene Schadensbetrag beläuft sich nun auf 444 Mio. Euro für jeden. Zu Beginn des Prozesses wurde Kreuch 424,68 Mio. Euro Schaden vorgeworfen, Schwarzecker 365,18 Mio. Euro und Büttner 332,63 Mio. Euro.

Beim mitangeklagten früheren BAWAG-Wirtschaftsprüfer Robert Reiter hat sich die ihm angelastete Schadenssumme von ursprünglich 505 Mio. Euro auf 444 Mio. Euro verringert. "Besser dran" ist nun auch der frühere BAWAG-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger, statt ursprünglich 505 Mio. Euro werden ihm nun 392 Mio. Euro Schaden durch Untreue vorgeworfen.

"Nicht schuldig"
Alle neun Angeklagten erklärten sich bei Befragung durch Richterin Claudia Bandion-Ortner betreffend der nun ausgeweiteten beziehungsweise modifizierten Anklage für "nicht schuldig". Bereits abgegebene Teilgeständnisse von Zwettler, Flöttl und Weninger sind davon nicht berührt.




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