11. Oktober 2007 08:09

BAWAG-Prozess 

Anklage könnte ausgedehnt werden

Der Investor Schlaff zahlte der BAWAG 88 Mio. Dollar Vorabprovision. Das Geld floss dann zu US-Firmen, Flöttl und den BAWAG-Stiftungen.

Anklage könnte ausgedehnt werden
© Kernmayer

Nicht einmal Ex-Minister Karl-Heinz Grasser zog so viele Besucher an. Der Große Schwurgerichtssaal war bei Martin Schlaffs Zeugenaussage bis auf den letzten Platz besetzt. Denn ein echter Milliardär trat auf.

Der Mann, der für Helmut Elsner vor einem Jahr eine Million Euro an Kaution stellte, nahm das ganze Szenario gelassen. Die BAWAG war einmal die Hausbank von Schlaff, er Kunde des Generaldirektors.

Vor allem der MobilTel-Deal stand am Donnerstag, dem 38. Prozesstag, im Visier der Staatsanwaltschaft. Schlaff und Partner kauften 2001 den bulgarischen Mobilfunkbetreiber um 680 Millionen US-Dollar. Die BAWAG finanzierte das Geschäft. Der Kredit wurde verzinst zurückgezahlt, zudem kassierte die Gewerkschaftsbank „15 Prozent aus dem Erfolg der Transaktion“, wie Schlaff aussagte.

MobilTel-Gewinn
88 Millionen Dollar Vorwegprovision zahlte er der BAWAG bereits im Frühjahr 2001, kurz nachdem er die MobilTel gekauft hatte. Martin Schlaff: „Ein signifikanter Gewinn war schon damals abschätzbar.“

Die BAWAG brauchte das Geld dringend, um einen Teil der Flöttl-Verluste auszugleichen. Wie Elsner & Co. die 88 Millionen quer um die Welt schickten, kommt dem Staatsanwalt aber dubios vor: von der BAWAG an vier US-Firmenmäntel, von dort an zwei Flöttl-Firmen und von dort auf vier Stiftungen der BAWAG in Liechtenstein.

Schlaff sagte, über die Hintergründe dieses Kreislaufs wisse er nichts. Er bestritt auch, der BAWAG die US-Firmen zur Verfügung gestellt zu haben: „Ich habe nur einen US-Geschäftsmann vermittelt.“ Auch die anderen Angeklagten brachten kein Licht in die Causa.

Provisionen
Ebenso blieb im Dunkeln, warum eine der BAWAG-Stiftungen rund vier Millionen Dollar an Provisionen an diverse Firmen zahlten, unter anderem an die Placzek Holding von Martin Schlaff.

Staatsanwalt Georg Krakow prüft daher eine Ausdehnung der Anklage auf diesen Punkt. Schlaff wird aber wahrscheinlich nicht geklagt.




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