24. September 2007 12:09

Meinl Power 

"Anschuldigungen entbehren jeder Grundlage"

Nach Anzeige gegen Meinl Power: Staatsanwalt prüft Vorwürfe gegen Karl-Heinz Grasser, Julius Meinl V. und Ex-Verbund-Chef Haider.

"Anschuldigungen entbehren jeder Grundlage"
© ÖSTERREICH/Hochmuth Georg

Nach dem Eingehen einer anonymen Anzeige gegen die Führung von Meinl International Power (MIP) hofft der Unternehmensmanager und frühere Finanzminister Karl-Heinz Grasser auf eine rasche Einstellung der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft. Er weise "sämtliche Vorwürfe aus der anonymen Anzeige auf das schärfste zurück" und hoffe, "dass die Vorerhebungen der Staatsanwaltschaft so rasch als möglich abgeschlossen sein werden", lässt Grasser ausrichten.

"Keinen Cent bekommen"
Grasser unterstrich am Montagabend in der "ZiB2" des ORF, dass er bisher "keinen Euro, keinen Cent" Management-Gebühr als Board Member der Management-Gesellschaft bekommen habe. "Wir haben bis jetzt in der Management-Gesellschaft genau null kassiert", sagte der frühere Finanzminister Grasser.

Staatsanwalt prüft Anzeige
Laut Staatsanwaltschaft Wien gibt es noch keine Vorerhebung. "Ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, steht im Moment noch nicht fest", sagte Staatsanwältin Michaela Schnell. Der Leiter der Wirtschaftsgruppe in der Staatsanwaltschaft, Karl Schober, prüfe die Anzeige noch und habe dafür mittlerweile auch Kontakt mit der Finanzmarktaufsicht aufgenommen.Die anonyme Anzeige stammt laut Schnell bereits von Ende August.

Die Prüfung dauere voraussichtlich "plus minus eine Woche". Erst danach entscheidet sich, ob für Vorerhebungen die Wirtschaftspolizei eingeschalten bzw. ob eine Voruntersuchung durch eine Untersuchungsrichterin veranlasst werde oder ob die Staatsanwaltschaft die Anzeige zurücklege.

Grasser wehrt sich
"Die Anschuldigungen in der anonymen Anzeige entbehren jeder rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlage und werden sich daher sehr schnell als unwahr herausstellen", so sein Sprecher. Einem Bericht des "profil" zufolge war in der Anzeige - offenbar in Zusammenhang mit dem MIP-Börsegang - vom Verdacht der Untreue, des Betruges und der Täuschung die Rede. Neben Grasser sind auch Bankier Julius Meinl V. und Ex-Verbund-Chef Hans Haider betroffen.

Auch Meinl hat die Vorwürfe deutlich zurückgewiesen. Sie würden "jeder Grundlage entbehren", betonte er gleichlautend mit Grasser. Hans Haider hat im Magazin erklärt, dass er operativ in der MIP gar nicht tätig sei und der Gesellschaft nur "30 bis 50 Tage" im Jahr zur Verfügung stehe.

Gelder umgeschichtet
Von Anlegerseite hatte es zuletzt heftige Kritik gegeben, wonach Aktionäre der Meinl European Land (MEP) aktiv dazu bewogen worden sein sollen, ihre Gelder in die Meinl International Power umzuschichten. Die Krise rund um Meinl war außerdem erst durch einen Aktienrückkauf bei MEL um 1,8 Mrd. Euro im August ausgelöst worden. Kritiker behaupteten, dass dadurch der MEL-Kurs in der internationalen Immo-Krise gestützt werden sollten, um den MIP-Börsegang nicht zu beeinträchtigen.

Grasser betonte am Montag einmal mehr, die MIP stehe "in keinerlei Zusammenhang mit der MEL". "Grasser übt weder bei der MEL noch bei der Meinl Bank irgendeine Funktion aus", so sein Sprecher.

3 Mio. Provision
An den Pranger gestellt wurde auch das Honorar des ehemaligen Finanzministers. Die Managementgesellschaft, die das Unternehmen operativ leitet und an der Grasser mit einem Drittel beteiligt ist, erhält von MIP eine Vergütung, die sich an der Höhe des Vermögens der MIP orientiere. Für die ersten 350 Mio. Euro beträgt sie nach offiziellen Angaben 1,5 Prozent jährlich, für die nächsten 350 Mio. Euro 1,25 Prozent und für den 700 Mio. Euro übersteigenden Wert 1 Prozent des Vermögenswertes der MIP. Laut "profil"-Rechnung fließen der Managementgesellschaft allein heuer und ungeachtet eines Geschäftsabschlusses knapp zehn Millionen Euro an Provisionen zu, wovon Grasser gut und gern drei Mio. Euro zustehen würden.

Erste Projekte
Sein Sprecher verweist allerdings auch noch auf die Kosten in der Managementgesellschaft und darauf, dass "sehr zeitnahe" erste Projekte abgeschlossen würden. Bekannt ist bisher die geplante Errichtung von Windparks in Zentral- und Osteuropa gemeinsam mit dem österreichischen Windkraftbetreiber Gruppe Simonsfeld für ein Gesamtinvestitionsvolumen bis zu 650 Mio. Euro. Vor knapp einem Monat hatte Grasser in einer Pressemitteilung betont, er rechne damit, "noch in diesem Quartal (das wäre bis Ende dieser Woche, Anm.) erste Akquisitionen bekanntgeben zu können".




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