13. März 2009 17:03

In Frankreich 

Arbeiter sperren Sony-Chef ein

Als Protest gegen die geringen Abfindungen wegen Werksschließung.

Arbeiter sperren Sony-Chef ein
© EPA

Wütende Arbeiter des Elektronikkonzerns Sony haben in Südfrankreich mit harten Bandagen um höhere Abfindungen gekämpft. Sie nahmen kurzerhand Sony-France-Chef Serge Foucher gefangen und hielten ihn die Nacht zum Freitag in dem Magnetbandwerk in Pontonx-sur-l'Adour fest. Die Aktion zeigte Wirkung: Sony setzte sich wieder an den Verhandlungstisch.

Baumstämme als Barrikaden
Foucher war am Donnerstagabend nach Pontonx gekommen, um die Beschäftigten des seit 1984 bestehenden Werkes vor der Schließung im April ein letztes Mal zu treffen. Gegen seinen Willen wurden er und sein Personalchef darauf am Verlassen der Fabrik gehindert. Die Arbeiter verbarrikadierten die Eingänge mit Baumstämmen. Erst nachdem Foucher neue Verhandlungen zugesagt hatte, entließen sie ihn am Vormittag aus ihrer Gewalt. "Ich bin froh, wieder frei zu sein und das Tageslicht zu sehen", sagte Foucher. Unternehmen und Gewerkschaften begannen darauf unter Vermittlung der Behörden Schlichtungsgespräche.

Kampf um Abfertigung
"Wir verlangen nicht die Welt, nur dass wir auf dieselbe Weise abgefunden werden wie andere Beschäftigte von Sony France, die gekündigt worden sind", sagte der Vertreter der Gewerkschaft CGT, Patrick Hachaguer. Den Mitarbeitern des Werkes für Videobänder seien nur "Rabatt-Abfindungen" angeboten worden. Das Einsperren des Sony-Chefs sei "unsere letzte Chance" gewesen, sagte die 50-jährige Werksbeschäftigte Chantal Omiciuolo. "Wir hatten keine Wahl."

Angebote zurückgenommen
Die oppositionellen Sozialisten zeigten Verständnis für das Vorgehen der Sony-Arbeiter. "Es ist nicht erstaunlich, dass die Beschäftigten das Gefühl haben, nur noch auf sich selbst zählen zu können", sagte der sozialistische Präsident des Regionalrates im Département Landes, Henri Emmanuelli. Sony habe nach der Ankündigung der Werksschließung im Dezember seine Angebote an die Mitarbeiter immer weiter zurückgenommen. Emmanuelli griff auch die konservative Regierung in Paris an, die nichts gegen solches Verhalten von Firmen unternehme. Was Frankreichs Industrie angehe, gebe es "keinen Piloten mehr im Flugzeug", sagte er.




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