11. August 2008 10:21

AK schlägt Alarm 

Arbeitslose in 177.000 Fällen unter Armutsgrenze

Bei zahllosen Österreichern ist das Arbeitslosengeld so niedrig, dass sie armutsgefährdet sind. Schuld daran ist die Inflation.

Arbeitslose in 177.000 Fällen unter Armutsgrenze
© sxc

Die Arbeiterkammer NÖ fordert eine Anhebung des Arbeitslosengelds. Grund: Wegen der Inflation reicht ein durchschnittliches Einkommen nicht mehr aus, um im Fall von Arbeitslosigkeit eine Ersatzleistung über der Armutsgrenze zu erhalten. Das hat Marc Pointecker von der AK-NÖ Montagfrüh auf Ö1 erklärt. Im Durchschnitt beträgt das Arbeitslosengeld derzeit 772 Euro pro Monat. Damit liegt es unter der offiziellen Armutsgefährdungsschwelle.

Viel weniger wert
Im Vergleich zu 2000 ist das Arbeitslosengeld laut AK heute real um vier Prozent weniger wert, die Notstandshilfe um acht Prozent weniger. Letztere beträgt durchschnittlich 595 Euro. Die Arbeitnehmervertreter fordern eine Anhebung der Ersatzrate: In Österreich macht das Arbeitslosengeld 55 Prozent des Letztgehalts aus. Im EU-Durchschnitt sind es dagegen "fast 70 Prozent", so Pointecker.

177.000 Arbeitslose arm
Insgesamt beziehen derzeit 177.000 Menschen Arbeitslosengeld unter der Armutsgrenze. Mindestens 2.149 Euro brutto Gehalt pro Monat wären nötig, um beim Arbeitslosengeld über der bereinigten Armutsgrenze zu bleiben. Besonders betroffen sind Frauen, weil sie oft in Niedriglohn-Branchen oder in Teilzeit-Arbeitsverhältnissen tätig sind: 75 Prozent der Frauen sind im Fall von Arbeitslosigkeit "von Armut bedroht", insgesamt sind es über 60 Prozent aller Arbeitnehmer in Österreich.

Gutes Vorbild Dänemark
Die Armutskonferenz schließt sich den AK-Forderungen an und verweist auf das Beispiel Dänemark, wo "eine ausreichende Existenzsicherung nicht den Anreiz für Erwerbsarbeit mindert", sprich: trotz einer Nettoersatzrate von 90 Prozent ist die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit geringer als in Österreich.

Grün und Blau empört
Die Grünen werfen der Bundesregierung Nachlässigkeit vor, sie haben immer wieder eine Valorisierung der Sozial- bzw. Versicherungsleistungen verlangt und Anträge eingebracht. Der geplante Ersatz, die Mindestsicherung, ist bis heute nicht auf Schiene. Auch die FPÖ kritisiert die Koalition als säumig.




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