10. Juni 2008 08:26

Weltweite Ölkrise 

Auch Gas wird bald um 30 Prozent teurer

Der Ölpreis steigt kontinuierlich. Im Juli soll ein Fass 150 Dollar kosten - so viel wie nie zuvor. Auch der Gaspreis schießt in die Höhe.

Auch Gas wird bald um 30 Prozent teurer
Auch Gas wird bald um 30 Prozent teurer

Der US-Ölpreis ist am Dienstag leicht gestiegen. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Juli 135,09 Dollar (85,59 Euro). Das waren 74 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Am vergangenen Freitag war der WTI-Preis nach dem größten Preissprung seit Aufnahme des Handels auf einen Rekordstand von 139,12 Dollar gestiegen.

Riad will Krisentreffen
Angesichts der anhaltenden Rekordjagd der Ölpreise hatte am Montag das ölreichste Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), Saudi-Arabien, ein Öl-Krisentreffen vorgeschlagen. Daran sollen sich sowohl Förderstaaten als auch importierende Länder und Öl-Firmen beteiligen.

Zwar könne ein derartiges Treffen helfen, die Lage auf dem angespannten Ölmarkt etwas zu beruhigen, sagte Rohstoffexperte Ken Hasegawa vom Handelshaus Newedge Japan. "Allerdings gibt es keinen wirklichen Grund, warum die Ölpreise unter 100 Dollar sinken sollten." Wahrscheinlicher sei, dass die Preise zunächst weiter in Richtung 150 Dollar je Barrel klettern.

Gas wird um bis zu 30 Prozent teurer
Den rund 1,3 Millionen Gaskunden Österreichs droht beim Blick auf ihre Rechnung schon bald eine böse Überraschung. Denn: Wirtschaftsexperten rechnen auch beim Gas mit dramatischen Preissteigerungen. Bis zu ein Drittel zusätzlich könnten Herr und Frau Österreicher dann zahlen müssen.

Ölpreisbindung
Schuld an dem erwarteten Preisschub sind hohe Spekulations­gewinne und die enormen Rohölpreise, die immer wieder zu neuen Höchstständen ansetzen. Allein am Freitag knackte der Ölpreis den historischen Wert von 139 Dollar pro Barrel. Ohne Auswirkungen geht das nicht am Gasmarkt vorbei, denn seit Jahrzehnten gilt in Österreich die sogenannte Ölpreisbindung – eine Absprache zwischen Gasproduzenten, Importeuren und Versorgern, die das Auseinanderdriften von Gas- und Ölpreisen ­verhindern soll. Millionen Gaskunden im ganzen Land müssen nun für die aktuellen Rohölpreis-Entwicklungen die Quittung zahlen: Denn nach den Rekordjagden des Ölpreises sind Teuerungen auf dem Gasmarkt unvermeidlich.

Horrorpreise ab Herbst
Bisher gibt es für Gasabnehmer zwar noch eine gewisse Schonfrist. Doch die erste Teuerungswelle wird Österreich bereits im Sommer, die zweite ab Herbst voll treffen. „Die Preissteigerungen auf den Rohölmärkten werden sich zwar mit Verzögerung, aber sicher in einem halben Jahr auf den Gaspreis niederschlagen“, erklärt Wirtschaftsexperte Kurt Kratena vom Wifo gegenüber ÖSTERREICH. Der Energieexperte Johannes Benigni rechnet gar mit einem Gaspreisanstieg bis zu 30 Prozent.

130 Euro Mehrkosten
Eine vierköpfige Familie zahlt derzeit für Gesamtjahresverbrauch von 16.050 Kilowattstunden Gas laut E-control 922,69 Euro. Neben Nutzungsentgelten und Steuern gehen rund 47 Prozent davon auf die Energiekosten, also den Gaspreis zurück. Kommt im Herbst tatsächlich die angekündigte Preiserhöhung, drohen so allein hier Mehrkosten von 130 Euro pro Jahr.

Auch Deutschland zittert
Auch in Deutschland steigt derzeit die Anspannung vor dem erwarteten Preisschub auf dem Gasmarkt. Dort warnte bereits das Umweltministerium vor einem Anstieg bei den Gaspreisen von bis zu 65 Prozent in diesem Jahr.




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