26. September 2008 06:54

Washington Mutual 

Auch größte US-Sparkasse ist bankrott

Die größte US-Sparkasse ist bankrott. JP Morgan Chase greift zu - und übernimmt die einstige 310 Mrd Dollar-Bank zum Schnäppchenpreis.

Auch größte US-Sparkasse ist bankrott

Größte Banken-Pleite der US-Geschichte: Die einst führende amerikanische Sparkasse Washington Mutual (WaMu) ist unter den Lasten der Kreditkrise zusammengebrochen. In einem Notverkauf wird sie zu weiten Teilen vom Finanzkonzern JPMorgan Chase übernommen. Das teilte die US-Sparkassenaufsicht am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York mit. Inmitten des politischen Tauziehens um das staatliche Milliarden-Rettungspaket für die Bankenbranche hat die Finanzkrise damit einen neuen Höhepunkt erreicht.

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Aktionäre und Gläubiger gehen leer aus
Die Übernahme kam auf Drängen der Behörden zustande, weil die Bankenaufsicht FDIC wegen der zwölf Bankenpleiten der vergangenen Monate ein Einspringen auch in diesem Fall nicht verkraftet hätte. JPMorgan Chase, die drittgrößte US-Großbank, zahlt 1,9 Milliarden Dollar (1,293 Mrd. Euro). Dafür übernimmt der Finanzkonzern den Angaben zufolge die Banken der Washington-Mutual-Gruppe (WaMu), die Washington Mutual Bank und die Washington Mutual FSB, sowie deren Einlagen, Aktiva und einige Verpflichtungen. Das Grundkapital und die Gesamtschulden der WaMu sind von der Transaktion ausgeschlossen. Aktionäre und Gläubiger der Sparkasse gehen demzufolge leer aus.

309 Milliarden Dollar Aktivposten
Die WaMu verfügt über Aktivposten in Höhe von 309 Milliarden Dollar und ist damit die größte der 13 Banken, die bisher der Krise an den Finanzmärkten zum Opfer fällt. Sie habe keine ausreichende Liquidität mehr gehabt, so die US-Sparkassenaufsicht OTS (Office of Thrift Supervision). Das Institut wurde deshalb zunächst unter staatliche Kontrolle gestellt. Der anschließende Verkauf an JPMorgan habe keine Auswirkungen für die Kunden und deren Einlagen von knapp 190 Milliarden Dollar (129,3 Mrd. Euro). Die Filialen würden am Freitag wie gewohnt ihre Türen öffnen, hieß es.

Kunden zogen Kapital ab
Die Sparkasse hatte sich während des Immobilienbooms massiv auf dem heute desolaten Hypothekenmarkt engagiert. Zuletzt fielen der Aufsicht zufolge in drei Quartalen hintereinander insgesamt 6,1 Milliarden Dollar Verlust an. Verschärft wurden die Probleme durch den Kurssturz der Aktie und eine Herabstufung durch Ratingagenturen auf "Schrott"-Niveau. Am Schluss wurde die Lage für das Institut lebensbedrohlich: In den vergangenen zehn Tagen hätten Kunden scharenweise insgesamt 16,7 Milliarden Dollar an Guthaben abgehoben, so die Aufsicht.

Dank der Übernahme werde der Einlagensicherungsfonds der Branche durch den Zusammenbruch nicht belastet, teilten die Behörden mit. Sonst hätte dies laut Analysten über 20 Milliarden Dollar gekostet. WaMu hatte zuletzt eine Bilanzsumme von mehr als 300 Milliarden Dollar. Bei der zuvor größten US-Bankenpleite war im Jahr 1984 die Continental Illinois Corp. zusammengebrochen mit einem im Vergleich weit kleineren Vermögenswert von damals 40 Milliarden Dollar.

43.000 Mitarbeiter
WaMu beschäftigte zur Jahresmitte mehr als 43.000 Mitarbeiter in über 2.200 Zweigstellen verteilt auf 15 US- Staaten. Zuletzt strich WaMu tausende Stellen und kürzte das Geschäft mit Hauskrediten radikal. Wegen ihrer Probleme stand die Sparkasse bereits unter verschärfter staatlicher Aufsicht und hatte ihren Chef ausgewechselt. Erst vergangene Woche stellte sie sich selbst zum Verkauf. Mehrere Banken winkten aber Medienberichten zufolge ab.

Bear Stearns
JPMorgan Chase übernahm im Zuge der Finanzkrise heuer bereits die notleidende US-Investmentbank Bear Stearns. Schon damals war der Staat am Zustandekommen des Geschäfts beteiligt. Der Finanzkonzern gab zudem bereits vor einigen Monaten ein Angebot für WaMu ab, blieb damals aber erfolglos.

JPMorgan Chase will nun nach eigenen Angaben die Integration der Unternehmen und die Umbenennung bis Ende 2010 abschließen. Durch die Übernahme entstehe die größte US-Sparkasse mit Kundeneinlagen von mehr als 900 Milliarden Dollar, erklärte die 1933 im Zuge der Weltwirtschaftskrise gegründete FDIC, die bei ihren Mitgliedsbanken individuelle Spareinlagen von bis zu 100.000 Dollar absichert. Im Zuge der Übernahme sollten weniger als zehn Prozent der Zweigstellen geschlossen werden, teilte das Unternehmen mit. Die Kosten für die Fusion will die Bank nach eigenen Angaben in einer Höhe von bis zu 1,5 Milliarden Dollar steuerlich geltend machen.

US-Investmentbanken-Pleite
Allein seit Anfang vergangener Woche fielen der Kreditkrise reihenweise große US-Finanzhäuser zum Opfer. Die Investmentbank Lehman Brothers meldete Teilinsolvenz an und wird zerschlagen. Der Mitbewerber Merrill Lynch rettet sich in die Arme der Bank of America. Der Versicherungsriese AIG musste vom Staat durch einen Mega-Kredit vor dem Aus bewahrt werden und steht vor dem Verkauf weiter Konzernteile. Im laufenden Jahr war in den USA vor WaMu zudem bereits ein Dutzend kleinerer und mittelgroßer Banken zusammengebrochen.

Die Rettungsaktion für WaMu wurde an der Wall Street in ersten Reaktion noch in der Nacht zwiespältig aufgenommen. Der Kauf sei ein Zeichen der Stärke von JPMorgan Chase und damit positiv für den Finanzmarkt, so Experten. Zugleich zeige die jüngste Notübernahme aber auch, dass die Kreditkrise noch lange nicht ausgestanden sei.

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