18. September 2007 11:22

Sparpläne 

BAWAG beschleunigt Stellenabbau

Die Marke "BAWAG" bleibt, ein neuer Business-Plan und eine Werbekampagene sind im anrollen.

BAWAG beschleunigt Stellenabbau
© APA/Hans Klaus Techt

In der BAWAG treibt der neue amerikanische Eigentümer, der US-Fonds Cerberus, das Sanierungstempo voran. Am gestrigen Montag hat der Aufsichtsrat unter Führung des neuen Bankpräsidenten Wulf von Schimmelmann (Ex-Postbank) mit der seit August erweiterten Vorstandsriege getagt.

Eisern sparen
Bis zum nächsten Aufsichtsrat im Oktober/November steht ein neuer Businessplan. Er wird eine Beschleunigung beim Personalabbau, Stärkung des Vertriebs und Reformen in der Verwaltung enthalten. Bis dahin soll die Bank auch im Verkaufsprozess bankfremder Beteiligungen (ATV, Bösendorfer, Lotterien) weiter sein.

Millionen für Werbung
Bank-Vorstandschef Ewald Nowotny stellte für die nächsten Wochen den Start einer mehrere Millionen schweren Werbekampagne in Aussicht, mit der Marktanteile zurück geholt werden sollen, die während der 2005 aufgeflogenen Spekulationskrise (Refco, "Karibik") durch Abzug von Spargeldern verloren gingen.

400 Stellen bis 2008
Beim Personal sah der alte Businessplan vor, bis 2011 rund 400 Stellen abzubauen. "Das wird vielleicht ein bisschen beschleunigt". Mehr Details nennt Nowotny zu dem Thema noch nicht. Insider erwarten, dass dieses Sparziel nun schon nächstes Jahr erreicht sein soll, Erträge stärker sprudeln sollen.

Name bleibt
Entschieden ist die Markenfrage: Monate lang war geprüft worden, ob der vom Skandal stark angepatzte Name BAWAG P.S.K. aufgegeben oder behalten wird. Nowotny: "Wir haben beschlossen, dass wir die Marke nicht ändern." Meinungsumfragen hätten ergeben, dass die Marke zwar beschädigt wurde, aber nicht so, dass das Vertrauen weg sei. Man wolle jedenfalls als "neue BAWAG" auftreten. Optische Neuerungen werden erwartet.

"Nie wieder Karibik"
Nicht extra hervorzustreichen brauche die Bankspitze, dass die BAWAG "nie wieder Karibikgeschäfte" machen wolle. Nowotny: "Wir haben unser Lehrgeld bezahlt. Andere sind gerade dabei." Damit war wohl Meinl gemeint.

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Kooperationen in Osteuropa
Im Bankgeschäft im Ausland ist die BAWAG auf "Kooperationen" aus. In Osteuropa spricht das Management dazu schon mit mehreren Partnern. Darunter könnten nach Branchenerwartungen auch lokale Postbanken in Osteuropa sein. Offenbar ist hier Expansion im Gleichschritt mit der Post AG vorgesehen. Auch die Slowakei soll da ein Thema sein. Schon länger in den Startlöchern wäre die Gruppe, für die ebenfalls Cerberus gehörende GMAC ("Opel-Bank") Autofinanzierungen in CEE (z.B. Tschechien, Slowakei) oder auch der Schweiz zu machen.

Verkauf der Anteile
Der Verkauf eingeleitet ist indes bei der Klavierfabrik Bösendorfer sowie beim TV-Sender ATV (wo nächste Woche der Aufsichtsrat tagt). Gespräche angelaufen sind für den Lotterien-Anteil. Für das 36-Prozent-Paket der BAWAG an der Lotto-Gesellschaft interessieren sich wie berichtet die mit Vorkaufsrecht ausgestatteten Casinos Austria. Die Casinos ließen bisher durchblicken, zwischen 100 und 200 Mio. Euro ausgeben zu wollen. Dem Vernehmen nach wären andere inländische sowie ausländische Interessenten bereit, bis zu einer halben Milliarde und mehr dafür hinzublättern.

Aus steuerlichen und sonstigen Gründen heuer nicht auf der Agenda ist ein Verkauf von Stiefelkönig. Bereits durchgewunken ist die Rationalisierung im Galeriebereich: Die BAWAG-Foundation wird mit der Generali-Foundation fusioniert. Alles, was nicht Kerngeschäft ist, wird auf einen Verbleib im Konzern abgeklopft. Nicht ausdrücklich Kerngeschäft ist auch die Libyen-Niederlassung, die nach Vorstandsangaben aber gut läuft.

Vorstand komplett
Seit Mitte August komplett ist der Vorstand der BAWAG mit den von Cerberus nominierten neuen Köpfen Bardo Akay (Risiko-Management), Joseph Laughlin (Back-office) und Carsten Samusch (Treasury). Als Berater des Managements der BAWAG in strategischen Fragen haben die Amerikaner den Finanzexperten David Roberts installiert.

Der amtierende BAWAG-Chef Nowotny wird seit Monaten in Finanzbranche und Politik als aussichtsreichster Kandidat für die künftige Notenbankspitze gehandelt.




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