29. April 2009 12:08

Mega-Verlust 2008 

BAWAG nimmt 950 Mio. Euro Staatshilfe

Die BAWAG nimmt 950 Mio. Euro Staatshilfe, fü 2008 schrieb sie 548 Mio. Euro Verlust. Auch der Eigentümer Cerberus schießt mehr als 200 Mio. Euro Kapital ein.

BAWAG nimmt 950 Mio. Euro Staatshilfe
© APA/Georg Hochmuth

Die von der Finanzkrise schwer getroffene Cerberus-Bank BAWAG P.S.K. hat gestern Nacht mit der Republik Österreich ein Grundsatzabkommen für staatliche Hilfen geschlossen. Demnach wird der Staat 550 Mio. Euro Partizipationskapital (PS-Kapital, 9,3 Prozent Zins) zeichnen. Um das Kapital von nach Rating-Herabstufungen problembeladenen Papieren zu entlasten, übernimmt der Bund für fünf Jahre außerdem eine Garantie für 400 Mio. Euro auf abwertungsbedrohte Assets.

Auch Eigentümer zahlt
Auch Cerberus schießt ein: Der Hauptaktionär sicherte zu, dass die Eigentümer 205 Mio. Euro Kapitalspritze aufstellen werden - bestehend aus rund 50 Mio. Euro PS-Kapital und rund 150 Mio. Euro Equity-Kapitalzufuhr. Weitere 50 Mio. Euro holt sich die Bank über eine sogenannte Tier-II-Kapital-Emission, voraussichtlich über Ergänzungskapital.

Mehr als 1,2 Mrd. Euro
Macht in Summe mehr als 1,2 Mrd. Euro. Von Republik und Eigentümern kommen demnach zusammen 805 Mio. Euro Eigenkapitaleinschuss, dazu kommt die 400-Millionen-Garantie vom Bund, die nach fünf Jahren erlöschen soll. Den Eigenkapitalzuschuss der Eigentümer hat vorerst Cerberus unterschrieben. Inwieweit die Minderheitsaktionäre (Post, Generali) dabei sind, haben diese selber zu befinden.

EU kann Deal verhindern
Die Kapitalspritzen sollen bis Ende Juni fließen, die EU muss über den Deal befinden. Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass der Staat Unterstützung gibt. Die BAWAG hatte nach Fehlspekulationen des früheren Managements und wegen der Refco-Krise 2006 mit einer (mittlerweile aufgelösten) Bundesgarantie aufgefangen werden müssen, bevor sie im Mai 2007 an Cerberus & Co verkauft wurde.

Verlust höher als 2007
Zugleich gab BAWAG-Chef David Roberts am Mittwoch die Jahresbilanzzahlen 2008 bekannt. Der Jahresverlust fiel wegen Abschreibungen und Abwertungen auf strukturierte Papiere ("Structured Credit Portfolio") noch höher aus als erwartet. Unterm Strich lag der Nettoverlust damit bei 547,5 Mio. Euro. Im Jahr 2007, als Cerberus den ÖGB als Eigentümer ablöste, waren es 452,5 Mio. Euro Verlust gewesen.

BAWAG keine "Bad Bank"
Laut Roberts und seinem Vize Stephan Koren garantiert die Republik ausschließlich "für Forderungen, die in den Büchern der Bank sind". "Es gibt keine Bad Bank in der BAWAG", sagte Roberts. Das Volumen an strukturierten Krediten wurde laut Roberts ("alte Papiere") primär von 2003 bis 2005 aufgebaut, also vor dem Einstieg von Cerberus, wie er festhielt.

Verstaatlichung kommt nicht
Debatten um eine Teilverstaatlichung der BAWAG wies Roberts ebenso als unmöglich zurück wie die damit zusammenhängende Spekulation, der US-Fonds Cerberus könnte durch seine US-Auto-Engagements so klamm sein, dass kein Geld für die BAWAG über sei. Er wisse nicht, wer so etwas sage, meinte Roberts. Der signifikante Beitrag von Cerberus zur Kapitalstärkung sei Beweis genug, wie nachhaltig das Investment und wie hoch das Vertrauen in die Bank sei. Der Sanierungsprozess - Bereinigung der Altlasten - sei noch nicht abgeschlossen. Die "neue" BAWAG sei eine gesunde Bank.




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