17. Oktober 2007 13:13

Radikal-Umkehr 

BAWAG verkauft nun auch Osttöchter

Nach den Beteiligung und den Immobilien verkauft die BAWAG auch die Osttöchter. Der britischeTop-Banker Roberts ist Favorit auf den Chefsessel.

BAWAG verkauft nun auch Osttöchter
© ÖSTERREICH

Der amerikanische BAWAG-Eigentümer drückt bei der Sanierung der fünftgrößten Bank in Österreich scharf aufs Tempo - und hat nun eine radikale Umkehr der bisherigen Osteuropa-Strategie verfügt: Am Dienstag hat der BAWAG-Vorstand den Verkauf der beiden Bankentöchter in der Slowakei ("Istrobanka") und in Tschechien ("BAWAG Bank CZ") beschlossen. Damit werden erstmals auch Teile des Kerngeschäfts - Bank-Business - versilbert.

Die Investmentbank Lehman Brothers sucht seit gestern Käufer für die zwei Institute mit zusammen rund 1.000 Beschäftigten. Die slowakische Istrobanka (erworben 2002) hat eine Bilanzsumme von rund 1,1 Mrd. Euro, beschäftigt rund 700 Mitarbeiter in 60 Außenstellen. Ihr Buchwert beläuft sich auf 100 Mio. Euro. Die tschechische Tochterbank BAWAG Bank CZ mit ebenfalls 1,1 Mrd. Euro Bilanzsumme ist Ende 2004 aus der Fusion der damals erworbenen Dresdner Bank CZ und der Interbanka hervorgegangen. In dieser Bank arbeiten 300 Leute, es gibt 15 Außenstellen. Buchwert: Rund 130 Mio. Euro.

Mindestens 460 Mio. Euro
Zu Preisen, um die Osteuropa-Banken üblicherweise ihre Besitzer wechseln, nämlich beginnend ab dem zweifachen Buchwert, kämen für die zwei Banken bei einem gemeinsamen Buchwert von 230 Mio. Euro also mindestens 460 Mio. Euro herein. Über Kaufpreiserwartungen äußerte sich der Vorstand am Dienstag Abend nicht. Der Verkauf solle rasch erfolgen, aber nicht unter Zeitdruck, so Steinbichler.

Cerberus gibt bei weiterer Expansion künftig strikte Mindest-Ertragsziele vor.Expandieren soll die BAWAG im heimischen Kerngeschäft sowie mit der Direktbank easybank in West- und Osteuropa und mit Spezialfinanzierungen als neues Nischenprodukt mit Cerberus-Know-how. 250 Mio. Euro will die BAWAG PSK in den nächsten drei Jahren investieren, um das Kerngeschäft Retail- und Firmenkunden zu forcieren.

Roberts neuer BAWAG-General?
David Roberts (44), von Cerberus entsandter "Berater" des Managements sieht die Bank stabilisiert. Gleichwohl gebe es in einer Reihe von Bereichen Restrukturierungspotenzial. Roberts wird nach dem voraussichtlichen Wechsel des derzeit amtierenden BAWAG-Chefs Ewald Nowotny in die Notenbank als künftiger Chef bzw. zumindest als Vorstand für die Bank kolportiert. "Meine Rolle ist die des Beraters", so der Brite. Damit sei er momentan glücklich.

Dennoch scheint sich im Frühjahr ein Wechsel an der Bank-Spitze abzuzeichnen und der ehemalige Barclays-Vorstand gilt neben dem BAWAG-Firmenkunden-Manager Alois Steinbichler als Top-Favorit.

Immobilien-Verkauf: 500 Mio.
Vor gut einem Monat hat die BAWAG PSK den Verkauf ihres inländischen Imobilienbestands bekanntgegeben, was in einer ersten Tranche rund 500 Mio. Euro bringen soll.

ATV, Bösendorfer und Lotto-Anteile
Noch bis Jahresende 2007 zumindest unterzeichnet sein sollen die Verkaufsverträge für die Nichtbanken-Beteiligungen ATV (42,5 Prozent), Bösendorfer und das im Minimum 200 Millionen schwere Drittel-Paket an den Lotterien. Nächstes Jahr soll auch Stiefelkönig verkauft werden. Am Finanzplatz wird geschätzt, dass der Verkauf der bankfremden Beteiligungen samt Immo-Paket rund eine Milliarde Euro bringt. Noch einmal eine halbe Milliarde könnte die Bank nun mit der Abgabe der Töchter in der Slowakei und in Tschechien erlösen, wird spekuliert.

Halber Kauf wieder eingespielt
Dass der US-Fonds Cerberus mit den zum Verkauf gestellten BAWAG-Töchtern, -Beteiligungen und -Immobilien schon nach einem halben Jahr den größeren Teil des Bar-Kaufpreises (2,6 Mrd. Euro cash, 600 Mio. Euro Kapitalzuschuss) eingespielt hat, lassen Roberts und der amtierende BAWAG-Chef Nowotny nicht gelten. Cerberus ziehe kein Geld heraus, es sei keine Sonderdividende oder ähnliches geplant. "Jeder Cent bleibt in der Bank", wird betont.




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