08. März 2008 20:51

Liechtenstein-Affäre 

BND-Informant hat Todesangst

Der Informant des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) in der Liechtensteiner Steuerhinterziehungsaffäre hat Angst um sein Leben.

BND-Informant hat Todesangst
© APA

Nach Informationen des Hamburger Magazins "Der Spiegel" beschwerte sich der unter neuem Namen lebende Mann per Mail beim BND über seine Enttarnung und fordert einen abermaligen Wechsel seiner Identität. Das Münchner Magazin "Focus" berichtete ebenfalls am Samstag im Voraus, der Mann habe sich mehrfach per E-Mail und am Telefon bei seinem Agentenführer gemeldet. Er habe dem BND vorgeworfen: "Ihr gefährdet mein Leben."

Informant will neue Identität
Der Informant hatte dem BND brisante Daten über Kunden der Bank LGT in Liechtenstein verkauft. Dem deutschen Auslandsgeheimdienst war es nicht gelungen, die Identität des Informanten zu schützen. Laut "Focus" verlangte er "verängstigt eine neue Identität vom BND, um damit eventuell in Südamerika unterzutauchen". Der Geheimdienst lehnte demnach vorerst ab. Der BND-Informant ist laut "Focus" inzwischen von Australien nach Europa zurückgekehrt und hat Nachforderungen gestellt.

Die Angst des Mannes hat laut "Spiegel" auch mit ausländischen Potentaten zu tun, die zur Kundschaft der LGT zählen. Mitglieder der saudischen Königsfamilie sind offenbar darunter, ebenso der im Jänner verstorbene Ex-Diktator Suharto, der nach Angaben der indonesischen Justiz über eine Milliarde Euro beiseitegeschafft habe.

Immer mehr Selbstanzeigen
In der Hoffnung auf Straferlass zeigen sich laut "Spiegel" immer mehr deutsche Kunden der LGT selbst an. 134 der mehr als 600 Betroffenen hätten das bis zum vergangenen Freitag getan, darunter Inhaber namhafter Firmen aus der Textil- und Kosmetikbranche. Die höchste gemeldete Steuerhinterziehung soll bei zehn Millionen Euro liegen. Bei Selbstanzeigen ist nur der hinterzogene Betrag plus sechs Prozent Zinsen zu zahlen, im Fall eines Strafverfahrens ist zusätzlich eine hohe Geldstrafe und möglicherweise auch eine Freiheitsstrafe fällig.

Hausbesuche gehen erst nach Ostern weiter
Laut der "Süddeutschen Zeitung" soll nach Ostern eine zweite Welle von Durchsuchungen beginnen. Demnach sollen diesmal Familienstiftungen mit vielen Zu- und Abflüssen im Mittelpunkt stehen. Während die Fahnder bei der ersten Aktion etwa 120 Büros und Wohnungen von Steuersündern aufsuchten, seien für den nächsten Schlag aber nur etwa 30 Durchsuchungen geplant. Die Ermittler gingen dem Verdacht nach, dass Unternehmenslenker bei der Liechtensteiner LGT Treuhand große Millionensummen Schwarzgeld gebunkert hatten.

Bei den anstehenden Verfahren handle es sich durchweg um kompliziertere und größere Fälle, zu deren Aufarbeitung auch Beamte der Konzern- und der Großbetriebsprüfung herangezogen würden. Bei den ersten Hausbesuchen seien vor allem schlummernde Stiftungen mit gut dokumentierten, nicht versteuerten Zinserträgen aufgeflogen. Jetzt gehe es "gegen aktive Stiftungen", habe ein Ermittler gesagt. Die dritte Welle werde dann für Mai erwartet.

Für Irritationen unter den Ermittlern sorgt dem Bericht zufolge, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) in den vergangenen Wochen über Teile des Verfahrens informiert worden sein soll. Die undichte Stelle sei noch nicht geortet.




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