06. Juli 2008 21:04

Keine Ticketerhöhung 

Bahn will Geld von Faymann

15 Millionen Euro würde das Einfrieren der Ticketpreise bis zur Jahresmitte 2009 kosten. Die Bahn findet das gut, braucht aber das Geld.

Bahn will Geld von Faymann
© APA

Verkehrsminister Werner Faymann (SP) wird bei seinem am Samstag geforderten Preis-Stopp bei Bahntickets von der Realität eingeholt. In ÖSTERREICH (Sonntags-Ausgabe) präzisierte er noch, dass die Kosten dafür teils vom Verkehrsministerium durch Einsparungen etwa in der Verwaltung zu tragen seien, zum Teil aber auch von den ÖBB selbst.

Gestern kam die Retourkutsche aus der Wienerberger ÖBB-Zentrale. Schließlich wollte Bahn-Chef Peter Klugar 2009 eine rund fünfprozentige Preiserhöhung durchziehen. „Die für den Verzicht auf die Preiserhöhung aufzubringenden 15 Millionen Euro sind eine sinnvolle Investition für unsere Kunden“, lobte zwar Gabriele Luttenberger, Vorstandsdirektorin der ÖBB Personenverkehr AG. Sie betonte aber, dass diese Kosten allein der Bund zu tragen habe, andernfalls die Erhöhung kommen müsse.

Heikle Diskussion
Die Diskussion ist heikel, weil die ÖBB zu 100 Prozent in Staatsbesitz stehen und Verkehrsminister Werner Faymann gleichzeitig oberster Bahn-Lenker auf Eigentümerseite ist. Vorab ist Faymanns Ansage in Zeiten allgemeiner Teuerungen Balsam auf den Wunden leidgeplagter Konsumenten, und damit wohl auch politisches Kalkül – allerdings zu Lasten der ÖBB-Bilanz.

Jedes Einnahmenminus der Bahn müssen auch indirekt erst recht wieder die Steuerzahler begleichen, doch Faymann argumentiert mit der Klimapolitik: Das von ihm geplante Einfrieren der Ticketpreise für das Gesamtjahr 2009 fördere den Umstieg von der Straße auf die Schiene.

Beifall für Faymann
Aus dem eigenen Lager erhält Faymann, der mit seinem Vorschlag auch das Profil der SPÖ wieder volksnaher machen will, Applaus.

Oberösterreichs SP-Chef Erich Haider signalisiert „volle Unterstützung“. Im OÖ-Verkehrsverbund werde die dort geplante Preiserhöhung um 4,4 Prozent nicht kommen. Auch die SPÖ Kärnten spendete Beifall.

Für Gabriela Moser, Verkehrssprecherin der Grünen, ist Faymanns Plan „nicht mehr als ein erster Schritt“. Pendler würden nicht wegen der Ticketpreise lieber Auto fahren. Österreich brauche eine Bahn-Offensive, um schon heute bestehende Engpässe zu beseitigen.




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