21. April 2008 10:42

Hypothekenkrise 

Bank of England pumpt Milliarden in den Markt

Die Angst vor der Kreditmarktkrise geht um: Die Bank of England greift ein - und schießt 63,2 Milliarden Euro in den Markt.

Bank of England pumpt Milliarden in den Markt
© Getty

Die britische Notenbank will mit einem milliardenschweren Hilfsprogramm den heimischen Hypothekenmarkt stützen und damit die Volkswirtschaft vor negativen Auswirkungen der Kreditkrise schützen. Geldinstitute können demnach bei der Bank of England bestimmte Hypothekenprodukte in Staatsanleihen umwandeln. Während die britische Bankenbranche den Schritt begrüßte, zweifelten Analysten an der Durchschlagskraft des Hilfsplans. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) mahnte weitere Schritte an.

Banken erhalten Liquidität
Das Programm mit einem Gesamtumfang von etwa 50 Mrd. Pfund (63,2 Mrd. Euro) habe das Ziel, die Liquidität der Banken zu erhöhen und das Vertrauen in die Kreditmärkte zu verbessern, teilte BoE-Gouverneur Mervyn King am Montag mit. Die Laufzeit der Staatsanleihen betrage ein Jahr, könne aber auf bis zu drei Jahre verlängert werden. Das Programm sei außerdem so gestaltet, dass für Verluste von Banken im Zuge der Kreditkrise nicht die öffentliche Hand aufkommen werde.

"Die Absicht ist es, die restliche Volkswirtschaft vor den Banken zu schützen", erläuterte King vor Journalisten. In erster Linie müssten nun die Banken selbst eine "schwierige und schmerzvolle Anpassung" hinter sich bringen. "Da führt kein Weg vorbei", sagte King. Das Notprogramm könne dabei den bisher veranschlagten Rahmen von 50 Milliarden Pfund am Ende überschreiten. Wichtig sei, dass es sich um ein Hilfsangebot für angeschlagene Institute handle. "Wer es benötigt, der kann es annehmen. Doch es hat seinen Preis", fügte King hinzu. "Das ist kein Geschenk."

Das britische Vorhaben ist nahezu identisch mit einem Programm, das in den USA im März vorgestellt wurde. Hinter dem Plan steckt der Gedanke, dass sich die Banken untereinander wieder mehr Geld zu günstigeren Zinsen leihen können. Zudem dürfte das Programm zur Folge haben, dass die Bank of England ihre Zinsen nicht so drastisch senken muss wie an den Finanzmärkten bisher erwartet.

Regierung und Notenbank stehen seit Monaten unter Druck, gegen die Hypothekenkrise vorzugehen, die die Wirtschaft in Mitleidenschaft zieht und mitverantwortlich für einen Ansehensverlust von Premierminister Gordon Brown ist. Am 1. Mai sind Kommunalwahlen in Großbritannien.

Der britische Bankenverband begrüßte den Plan als "innovative und einmalige" Antwort auf die jüngsten Kreditprobleme in der Branche. Durch das Programm würden die Probleme auf den britischen Geldmärkten abgefedert, teilte der Verband mit.

Analysten skeptisch
Analysten zeigten sich dagegen skeptisch. "Das wird nicht den Schaden rückgängig machen, den die Volkswirtschaft bereits erlitten hat", sagte Alan Clarke von BNP Paribas. Der Plan könne lediglich dabei helfen, dass die Probleme nicht noch größer würden. Auch Geraldine Concagh von AIB Group Treasury in Dublin reagierte reserviert: "Es bleibt abzuwarten, wie wirkungsvoll der Plan ist."

Der Leiter der Europa-Abteilung des IWF, Michael Deppler, begrüßte das Programm und trat Befürchtungen entgegen, die Hypothekenkrise könne in Großbritannien ein ähnlich großes Ausmaß erreichen wie im Ursprungsland USA. Dennoch könne der Plan der britischen Notenbank nur ein Schritt unter vielen sein bei den Bemühungen, die angespannte Kreditlage auf dem Geldmarkt zu verbessern, sagte Deppler.

EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy sagte in einer ersten Stellungnahme in Frankfurt, er sehe keinen Anlass für eine Intervention wegen des Hilfsplans. Ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel erklärte, es sei noch zu früh für ein Urteil darüber, ob es sich bei dem Programm um eine Form illegaler staatlicher Beihilfe handle.




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