15. September 2009 09:46

ÖSTERREICH-Interview 

"Banken haben Lektion nicht gelernt"

Ein Jahr nach der Pleite von Lehman Brothers zieht Hannes Androsch Bilanz.

"Banken haben Lektion nicht gelernt"
© Hausler

ÖSTERREICH: Ist die Krise schon vorbei?

Hannes Androsch: Wir werden im Herbst oder gegen Jahresende den Tiefpunkt erreichen. Es gibt aber die Gefahr eines weiteren Rückschlages. Daher wäre es falsch, schon jetzt die Krücken in Form staatlicher Konjunkturprogramme wegzuwerfen.

ÖSTERREICH: Hat die Politik das Richtige gemacht?

Hannes Androsch: Dank massiver Rettungs- und Stabilisierungsprogramme konnte eine Depression wie in den dreißiger Jahren verhindert werden. Die Welt hat gelernt. Wir befinden uns in einer schweren Rezession, die längst noch nicht ausgestanden ist. Die Folgen werden uns noch lang beschäftigen, vor allem auf dem Arbeitsmarkt und beim Budget.

ÖSTERREICH: Wie sollte das Budget saniert werden?

Hannes Androsch: Neue oder höhere Steuern sind der falsche Weg. In Österreich liegt etwa ein Sparpotenzial von 20 Milliarden Euro brach, das alleine durch mehr Effizienz etwa in den Bereichen Verwaltung, Spitäler, Krankenkassen, aber auch im Schulsektor zu erzielen wäre.

ÖSTERREICH: Internationale Banken zahlen längst wieder munter Boni. Haben sie aus der Finanzkrise nichts gelernt?

Hannes Androsch: Man hat nicht den Eindruck, dass sie ihre Lektion gelernt haben. Wir brauchen solide Banken, die sich mit ihrem Grundgeschäft beschäftigen. Was wir nicht brauchen, sind Institute, die in Casinomanier hasardieren.

ÖSTERREICH: Wie steht es um die heimischen Banken?

Hannes Androsch: Osteuropa ist noch nicht ausgestanden, die dort ausständigen hohen Kredite stellen ein beträchtliches Klumpenrisiko dar. Zudem gibt es in Österreich im Verhältnis zur Größe des Markts immer noch zu viele Banken und Filialen.

ÖSTERREICH: Welche Bank wäre entbehrlich?

Hannes Androsch: Das ist Sache des Finanzministers.

ÖSTERREICH: Gibt es in Österreich eine Kreditklemme?

Hannes Androsch: Wenn Kredite vergeben werden, dann häufig zu Bedingungen, die für die Wirtschaft, aber auch den Privaten nicht tragbar sind. Dazu kommen unverhältnismäßige Besicherungen. Hier sollte der Finanzminister eingreifen und die Banken zur Vernunft bringen.




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