14. Dezember 2009 15:48

OeNB-Stresstest 

Banken stehen vor Strukturwandel

Bis Ende 2011 werden noch 10 Mrd. Euro an Wertberichtigungen bewältigen zu sein.

Banken stehen vor Strukturwandel

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat am Montag ihren jüngsten Stresstest für die heimischen Banken präsentiert - das "Timing" mit der Rettung durch die Notverstaatlichung der sechstgrößten österreichischen Bank, der Hypo Alpe Adria, war dabei eher zufällig. Der Stresstest zeige eine "gemischte Lage" am Bankensektor, das heimische Kreditwesen stehe insgesamt trotz einer jüngsten Stabilisierung mittelfristig vor einem Strukturwandel, erläuterte OeNB-Direktor Andreas Ittner.

Kreditausfälle
Die österreichischen Kreditinstitute könnten zwar gute operative Erträge erzielen, die Kreditausfälle steigen jedoch weiterhin an. Die Banken konnten ihr operatives Ergebnis steigern: Das unkonsolidierte Betriebsergebnis stieg im dritten Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahr um rund 14 Prozent auf 4,9 Mrd. Euro. Sowohl in Österreich als auch in Mittel-, Südost- und Osteuropa bestehe aber noch ein beträchtlicher Wertberichtigungsbedarf. Der anhaltend hohe Fremdwährungsanteil im CEE-Portfolio erhöhe dieses Risiko weiter. Sorgen macht der Nationalbank unter anderem die Entwicklung in der Ukraine, wo die Lage auch innenpolitisch instabil sei. Das gesamte Ost-Exposure der heimischen Banken (ohne der UniCredit-Tochter Bank Austria) liege bei rund 200 Mrd. Euro.

Wertberechtigungen
Der Bankensektor habe noch einen deutlichen Abschreibungsbedarf zu bewältigen. Nach dem "Baseline-Szenario" kämen auf die österreichischen Banken bis Ende 2011 noch 10 Mrd. Euro Wertberichtigungen zu, nach dem "Worst Case-Szenario" mit einer Double-Dip-Rezession lägen die erwarteten Wertberichtigungen mit 20 Mrd. Euro doppelt so hoch. Sowohl in Österreich, als auch in Osteuropa bestehe noch ein beträchtlicher Wertberichtigungsbedarf, betonte Ittner. Ein weiterer deutlicher Anstieg der Wertberichtigungsquote von Tochterbanken in CEE, die sich bereits auf 4,6 Prozent im dritten Quartal 2009 erhöhte, aber auch in Österreich, wo sie im dritten Quartal 2009 auf 2,6 Prozent stieg, stelle somit eines der primären Risiken für den österreichischen Bankensektor dar.

Konkret könnten laut den Ergebnissen des jüngsten Finanzmarktstabilitätsberichts 30 kleine Banken unter die gesetzlich erforderliche Kapitalquote fallen. Bei einer Großbank werde eine Landung "nahe an der regulatorischen Grenze", erwartet, allerdings noch über der gesetzlich erforderlichen Kapitalquote, sagte Ittner und spielte damit auf den kriselnden Volksbankensektor (ÖVAG) an. "Die Krise wird den erforderlichen Strukturwandel beschleunigen".

Die Stresstests deuten laut OeNB für die österreichischen Banken insgesamt jedoch auf eine "vertretbare Risikotragfähigkeit" hin, obwohl die Krise einige Institute stärker treffe als andere. Mittelfristig bestehe die Notwendigkeit, die Eigenkapitalbasis weiter zu stärken. Das gelte sowohl hinsichtlich der Qualität als auch hinsichtlich der Höhe des Eigenkapitals, betonte Ittner. Während einige Banken Kapital vom Markt erhalten könnten, seien bei anderen die Eigentümer gefordert.




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