27. April 2009 08:47

Beruf ohne Zukunft? 

Bauern gingen für mehr Geld auf Straße

Die Einkommen der österreichischen Landwirte sind in den vergangenen Monaten um ein Drittel zurückgegangen. Die Preise, die sie für ihre Produkte erzielen, decken die Kosten nicht mehr.

Bauern gingen für mehr Geld auf Straße
© APA

Mit der Forderung nach besseren Preisen für ihre Erzeugnisse und Leistungen sind Bauern am Montag in Linz auf die Straße gegangen. Sie haben um die Konsumenten als Verbündete geworben, im Einsatz waren auch Kühe, Traktoren, Salzstangerl und Milchprodukte, die gratis verteilt wurden. Die Kundgebung am Hauptplatz wurde vom ÖVP-Bauernbund organisiert.

"Leben lassen"
Beim Aufmarsch waren Sprechchöre wie "Lebt der Bauer lebt das Land, lebt das Land lebt die Wirtschaft, lebt die Wirtschaft leben wir alle" zu hören. Auf der Forderungsliste standen neben gerechten Preise unter anderem mehr Geld für die Bewerbung von österreichischen Produkten und ein Verbot von Kunstkäse. Von der Europäische Union wird mehr Selbstbestimmung in der Agrarpolitik und eine klare Produktkennzeichnung gefordert.

Bauern fördern Tourismus
"Wenn Bauern auf die Straße gehen, hat das Land allen Grund sich Sorgen zu machen" - mit diesen Worten begrüßte ÖVP-Agrarlandesrat Josef Stockinger die Teilnehmer der "größten Bauerndemonstration, die Oberösterreich je gesehen hat". ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer dankte den Bauern unter anderem für ihren Einsatz für die Landschaftspflege. "Dem haben wir zu verdanken, dass unser Land Tourismusland erster Güte ist".

Müll kostet mehr als Korn
Landesbäuerin Annemarie Brunner rechnete vor: "Eine Tonne Müll kostet doppelt so viel wie eine Tonne Getreide - da stimmt etwas nicht". Und auch der Landesobmann des Bauernbundes und Präsident der Landwirtschaftskammer, Hannes Herndl, kritisierte die schlechten Rahmenbedingungen für die heimischen Landwirtschaftsbetriebe: "Wenn weiter nur die Gewinnmaximierung das oberste Ziel ist, dann hat Landwirtschaft keine Zukunft mehr." Die Kritik richtete sich unter anderem gegen die Handelsbetriebe, der Appell - österreichische Qualität zu kaufen - ging an die Adresse der Konsumenten.

Europaweiter Protest am Mittwoch
Die Organisatoren der Demonstration schätzten die Teilnehmerzahl auf rund 4.000, die Polizei ging von etwa 2.000 aus. Wenn der Protest keine Wirkung zeigen sollte, werde man in weiteren Aktionen wieder auf sich aufmerksam machen, so der Obmann des Bauernbundes. Für kommenden Mittwoch planen die Milchbauern in ganz Europa Protestfahrten, auch in Wien findet eine Sternfahrt zum Parlament und anschließend zum Landwirtschaftsministerium statt.

Demo bringt gar nichts
Die SPÖ-Bauern kritisierten ihre schwarzen Kollegen, die Demonstration am Hauptplatz diene rein populistischen Zwecken und helfe den Bauern nichts. Denn immerhin habe der Bauernbund seit Jahrzehnten in allen Gremien der Bauernvertretung die klare Mehrheit. Nicht nur im Nationalrat und im Landtag, sondern vor allem in den Molkerei- oder Lagerhausgenossenschaften, also dort, wo die Preispolitik gemacht werde.

Hintergrund der Demonstration in Linz ist der Einkommensverlust der Bauern von rund einem Drittel in den vergangenen Monaten. Die Preise für Milch, Getreide, Fleisch oder Holz sind gesunken, die Nachfrage geht zurück, aber die Kosten für Futtermittel, Dünger oder Treibstoff bleiben hoch. Zahlreiche Familienbetriebe und tausende Arbeitsplätze sind in Gefahr




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