22. Juli 2008 12:08

Personal-Abbau 

Bawag will in Österreich 400 Stellen streichen

Die BAWAG will weiter Personal einsparen. Kündigungen soll es aber nicht geben. Finanzielle Anreize sollen einen Abschied versüßen.

Bawag will in Österreich 400 Stellen streichen
© APA

Die BAWAG spart weiter beim Personal ein. In der dem US-Fonds Cerberus gehörenden ehemaligen österreichischen Gewerkschaftsbank hat Vorstandschef David Roberts mit dem Betriebsrat ein Begleitprogramm für einen "sozial verträglichen" Personalabbau ausverhandelt. Kündigungen soll es nicht geben, wird in der Bank erklärt, dafür Umschulungen und einen Sozialplan: Ein freiwilliger vorzeitiger Abgang soll durch teure "Golden Handshakes" schmackhaft gemacht werden - von 60-Prozent-Teilzeit sieben Jahre vor dem normalen Pensionsantritt bis zur doppelten Abfertigung.

400 Arbeitsplätze weniger
Knapp vor dem Amtsantritt von Roberts an der BAWAG-Spitze im Jänner 2008 hatte die Bank bekannt gegeben, dass das Zieldatum des zuvor angepeilten Stellenabbaus von 2011 auf 2008 vorgezogen wurde. Das hieß, dass es schon bis Ende 2008 um rund 400 Jobs in der Bank in Österreich weniger geben sollte als im Herbst vorigen Jahres. Davon hat man nach Bankangaben "den größten Teil" schon abgebaut. In der Zwischenzeit tauchten hartnäckige Gerüchte auf, wonach darüber hinaus einige hundert Jobs mehr wackeln dürften.

Derzeit rund 4.500 Mitarbeiter
Die BAWAG beschäftigt in der Stammbank in Österreich derzeit rund 4.500 Mitarbeiter. Im Konzern (samt Beteiligungen) waren es zum letzten Bilanzstichtag mehr als 7.000, wobei diese Zahl nach weiteren Beteiligungsverkäufen in letzter Zeit schon gesunken ist. In der BAWAG wurde für die jetzigen "Personalmaßnahmen" am Dienstag keine neue Zielgröße genannt, die über die bekannte Streichung der 400 Jobs bis Jahresende hinaus ginge. "Von Kündigungen ist nichts bekannt", sagte eine Banksprecherin heute. Roberts zufolge gibt es bezüglich weiterer Job-Reduktionen keine Neuigkeiten.

Neues Paket
Nichtsdestotrotz wurde ein neues Paket fertig geschnürt, das in der BAWAG in den vergangenen Wochen heiß diskutiert wurde und das auch in neuen Betriebsvereinbarungen Eingang finden soll. Alle Mitarbeiter der Bank werden in diesen Tagen informiert. Ein erstes Rundschreiben soll am Dienstag ergehen.

Finanzielle Anreize für freiwilligen Abschied
Personal-Einsparungen sollen demnach durch neue finanzielle Anreize für einen (freiwilligen) Abschied möglich werden. Kern des Pakets ist laut Bank aber ein groß angelegtes Umschulungsprogramm. Leute, die in der Verwaltung und im Backoffice überzählig sind, sollen oder können sich auf Beratung und Service-Aktivitäten (Filialen etc.) umschulen und höherqualifizieren und so auf neue offene Arbeitsplätze im Konzern vorbereiten lassen. Dazu starten "in Kürze", dem Vernehmen nach im Herbst, großangelegte Schulungen in der Bank, über ein "Retraining-Center", das von einem externen Spezialisten begleitet wird.

Doppelte Abfertigung
Wer nicht für solche Umschulungsmaßnahmen in Frage kommt und sieben Jahre vor dem Eintritt ins frühestmögliche gesetzliche Pensionsalter steht, kann Vorruhestandsregeln (60 Prozent Altersteilzeit) in Anspruch nehmen bzw. sich mit einer doppelt so hohen Abfertigung verabschieden. Wie viele Mitarbeiter die Angebote annehmen, wird erst in den nächsten Monaten fest stehen.

Nicht mehr auf der Payroll sind seit heuer die Beschäftigten in den zwei mittlerweile verkauften Ostbankenbeteiligungen: Die slowakische Istrobanka mit ihren 750 Mitarbeitern wurde an die belgische KBC verkauft. In Tschechien übernimmt die deutsche LBBW in diesen Wochen die tschechische BAWAG-Tochter BAWAG CZ mit mehr als 300 Leuten.

Cerberus holt sich Kaufpreis zurück
Mit einem radikalen Verkauf von Beteiligungen holt sich Cerberus seit vorigem Jahr den insgesamt 3,2 Mrd. Euro umfassenden Kaufpreis für die BAWAG zurück. Verkauft wurden bereits wichtige Bank-Immobilien, die Versicherung, die Klavierfabrik Bösendorfer, der Fernsehsender ATV und vor allem die wertvolle Lotterien-Beteiligung. Ein weiteres Bankimmobilienpaket harrt ebenso noch neuer Eigentümer wie die Schuhhandelskette Stiefelkönig.




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