18. Juli 2008 09:14

Unseriöse Abfüller 

Bei 7% aller Produkte ist zu wenig drin

Die Unterfüllung von Verpackungen bringt den Unternehmen Zusatzeinnahmen - Die Konsumenten zahlen für etwas, das sie nicht bekommen.

Bei 7% aller Produkte ist zu wenig drin

SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier sieht die Österreicher durch eine teilweise systematische Unterfüllung von Fertigverpackungen betrogen. Die Konsumenten zahlen mehr, als sie bekommen, dafür kassieren die Hersteller mehr, als sie tatsächlich verkaufen. Maier fordert daher ein Mindestwertprinzip auf EU-Ebene, Auskunftspflicht der Behörden und schärfere Strafen.

7% der Ware beanstandet
In Österreich wurden im Vorjahr 6,9 Prozent der überprüften Produkte messtechnisch beanstandet. Es handelt sich immer wieder um die gleichen Produktgruppen: Am häufigsten wurden Mineralöle und Brennstoffe mit 16,7 Prozent beanstandet, auf Platz 2 der Messtechniker liegen Torf und Blumenerde mit 15,9 Prozent, gefolgt von Sämereien mit 15,4 Prozent sowie Fleisch- und Fleischerzeugnissen mit 11,8 Prozent. Bei Obst und Gemüse wurden immerhin noch 10,1 Prozent beanstandet.

Hersteller bleiben geheim
"Das Problem in Österreich und Deutschland ist, dass die Behörden wissen, um welche Produkte es sich handelt. Sie kennen die Herstellernamen, dürften diese aber nicht bekanntgeben", so Maier. Zudem gibt es bei unterfüllten Verpackungen keine internationale Zusammenarbeit - z.B. auf EU-Ebene.

Mindestwert statt Mittelwert
Laut Mittelwertprinzip dürfen einzelne Packungen weniger enthalten, solange das als Mittelwert eingehalten wird. Maier fordert dagegen eine europaweite Mindestmengenregelung: "Es gibt auch bei Lebensmitteln ein Mindesthaltbarkeitsdatum und kein Mittelhaltbarkeitsdatum", argumentiert der Konsumentenschutzsprecher.

Firmen verdienen daran
Beispiel Heizöl: Bei rund 1,8 Mio. Tonnen jährlich verkauftem Heizöl Extraleicht ist ein Prozent davon - also rund 18.000 Tonnen - die theoretische Mindermenge, die zwar bezahlt, aber nicht geliefert werden muss. Das sind laut Maier bei 71,3 Cent pro Liter ein errechneter Betrag von rund 12,8 Mio. Euro pro Jahr, den die Unternehmen ohne Gegenleistung einstreifen.

Immer weniger Kontrollen
Auch die Kontrollen der Eichbehörden sind in Österreich zurückgegangen: 2002 wurden noch 679 Flüssigpackungen und 2.546 feste Verpackungen kontrolliert, 2007 nur noch 417 bzw. 1.620. Maier plädiert auch für schärfere Sanktionen: 2007 wurden bei insgesamt zwölf Verfahren Strafen von nur 3.730 Euro verhängt. Angezeigt wurden im Vorjahr nur 25 unseriöse Abfüller - im Gegensatz zu 40 Anzeigen im Jahr 2002.




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