13. September 2007 09:34

Bio-Sprit 

Benzin-Ersatz Superethanol floppt

Benzin-Ersatz--Einführung: Anstatt 15 gibt es nur eine Superethanol-Tankstelle in Österreich. Die OECD kritisiert die Förderung für Energiepflanzen.

Benzin-Ersatz Superethanol floppt
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Der Umstieg auf biogene Treibstoffe läuft holpriger als von Umweltminister Josef Pröll (V) erhofft. Anstatt der angekündigten 15 Superethanol-Tankstellen österreichweit wird ab 1. Oktober nur an einer Tankstelle der Benzinersatz angeboten. Auslöser sollen Probleme mit behördlichen Auflagen sein. Weiters sei die Besteuerung noch unklar. Aus dem Büro Pröll hieß es hingegen, die Steuerfrage sei geklärt. Zudem wird mit 1. Oktober herkömmlichem Benzin flächendeckend rund vier Prozent Etanol beigemischt. Diesel wird bereits seit zwei Jahren eine kleine Biokomponente zugesetzt.

Preis-Explosion bei Getreide
Probleme bereitet auch die Preisentwicklung bei Getreide, einem Ausgangsstoff für E85. Der Preis pro Tonne verdoppelte sich innerhalb eines Jahres von 130 auf 280 Euro. Superethanol (E85) ist ein Treibstoff, der zu 85 Prozent aus Biomasse und 15 Prozent Benzin hergestellt wird. Dessen entscheidender Vorteil: Er ist fast CO2-neutral, hilft also mit, den Klimawandel zu bekämpfen. Laut einer Studie der renommierten US-Universität Stanford steigt durch Superethanol allerdings die Ozonbelastung.

Streit über Bio-Sprit
Über die ökologische Sinnhaftigkeit des Einsatzes von Biokraftstoffen gehen die Meinungen auseinander. Zwar ist unbestritten, dass eine Alternative für fossile Treibstoffe gefunden werden muss, dass dafür aber die Regenwälder in Asien und Südamerika für den Anbau von Energie-Pflanzen gerodet werden, gilt als kontraproduktiv für das Klima. Schließlich sind die Regenwälder riesige CO2-Speicher. Dazu kommen der hohe Energie-, Düngemittel und Spritmitteleinsatz für die Raps-und Baumöl-Monokulturen.

OECD warnt vor Förderung
In Österreich befürwortet insbesondere die Landwirtschaft den verstärkten Bioenergieeinsatz, erhofft sie sich doch davon ein zweites Standbein. Damit die Biotreibstoffe am Markt konkurrenzfähig sind, werden sie aus dem Staatsbudget durch den Mineralölsteuer-Verzicht indirekt subventioniert. An der Tankstelle bleiben somit die Preise gleich, unterm Strich zahlen aber auch die Nichtautofahrer fürs Tanken der anderen mit.

Steigende Nahrungsmittel-Preise
So warnt etwa die OECD vor der staatlichen Förderung von Biotreibstoff. Eine Marktverzerrung zugunsten dieser alternativen Energie-Formen führe zu steigenden Nahrungsmittelpreisen und zur Zerstörung von natürlichen Lebensräumen, ohne große Auswirkungen auf den Klimaschutz zu haben, so die Organisation in einem internen Arbeitspapier.




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