16. April 2009 13:44
Gegen den erst kürzlich aus der Untersuchungshaft entlassenen
Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly sind neue Vorwürfe aus
Großbritannien aufgetaucht. Laut "Format" wirft ein streng
vertraulicher Bericht des Betrugsdezernats des britischen
Generalstaatsanwalts "Serious Fraud Office" (SFO)
Mensdorff-Pouilly Bestechung bei zentral- und osteuropäischen Rüstungsdeals
wie etwa der Eurofighter-Beschaffung vor.
"Das SFO hat gute Gründe zur Annahme, dass British Aerospace mit Hilfe
von Mensdorff als ihrem Vertreter die Beschaffungsvorgänge in Österreich,
Ungarn und in der Tschechischen Republik korrumpierte", heißt es laut "Format"
in dem Bericht an das britische Justizministerium. Demnach wurden
Mensdorff-Pouilly von British Aerospace (BAE) insgesamt rund 107,6 Mio. Euro
für "Drittzahlungen" bereitgestellt. Wie viel davon
tatsächlich verteilt wurden, ist unklar.
Anwalt stellt klar
Harald Schuster, der Anwalt von Alfred
Mensdorff-Pouilly, hat am Donnerstagabend betont, dass sich die im "Format"
erhobenen Vorwürfe auf das britische Rechtshilfeersuchen vom Vorjahr
beziehen. "Die angebliche 'Geheimakte Ali' ist das den österreichischen
Behörden am 25. Juli 2008 übermittelte Rechtshilfeersuchen der SFO", so
Schuster. "Alle darin enthaltenen Informationen sind den ermittelnden
Behörden seither bekannt. Mein Mandant hat im Ermittlungsverfahren
ausführlich dazu Stellung genommen und dabei die Anschuldigungen
zurückgewiesen."
Schwere Vorwürfe
Mensdorff-Pouilly war Ende Februar wegen
Verdachts in Richtung Geldwäsche festgenommen worden. Er saß bis Anfang
April in U-Haft und wurde dann auf Antrag der Anklagebehörde entlassen,
nachdem die Inlandvernehmungen abgeschlossen waren. Der Verdacht lautet, er
soll von BAE auf undurchsichtigen Wegen 13 Mio. Euro erhalten haben. Über
eine mögliche Anklageerhebung ist noch nicht entschieden, es müssten noch
zahlreiche Rechtshilfeersuchen an ausländische Behörden beantwortet werden,
hieß es aus der Staatsanwaltschaft.
Das "Serious Fraud Office" soll neben Mensdorff-Pouilly auch gegen
prominente BAE-Spitzenmanager ermitteln - etwa gegen Sir Richard Harry
Evans, Michael John Turner und Julian Scopes.