07. April 2009 13:42

Wirtschaftskrise 

Betrugsfälle im Internet nehmen zu

Durch die Wirtschaftsflaute sind mehr Schnäppchenjäger unterwegs, und die Anbieter arbeiten mit neuen Tricks.

Betrugsfälle im Internet nehmen zu
© sxc

Der "Internet Ombudsmann", die Streitschlichtungsstelle für Irreführung und Betrug im World Wide Web, verzeichnet seit Jahresende einen massiven Anstieg bei Beschwerden. Diese Entwicklung führt man unter anderem auf die Wirtschaftskrise zurück. Im März hat es erstmals seit dem zehnjährigen Bestehen der Stelle 1.000 Hilfsgesuche gegeben. Hauptsächlich ging es dabei um vermeintliche Gratis-Angebote, bei denen die Kosten im Fließtext oder Kleingedrucktem versteckt waren.

Schnäppchenjagd als Falle
"Wir sehen, dass viele Kunden bei der privaten Schnäppchenjagd immer leichtsinniger werden", erläuterte Ombudsmann-Leiter Bernhard Jungwirth. Gleichzeitig würden Online-Anbieter zunehmend beim Kundenservice oder der Zustellung sparen oder auch öfter auf unfaire Tricks zurückgreifen. Die Betrüger würden dabei immer erfinderischer.

Um Drittel mehr Beschwerden
Im 1. Quartal 2009 gab es laut Jungwirth bereits 2.757 Hilfsansuchen von Internetusern, im gleichen Zeitraum 2008 war es etwa ein Drittel weniger. Halte der Trend an, müsse man bis Ende Dezember mit mehr als 11.000 Beschwerden rechnen. Auch in der Arbeiterkammer häufen sich die Anfragen wegen unseriöser Dienste: Gut 30.000 Fälle müssen pro Jahr bearbeitet werden, so AK-Konsumentenschützer Harald Glatz.

Fast immer gewinnt Konsument
Dabei hatte es laut dem Jahresbericht des "Internet Ombudsmanns" 2008 noch eine minimale Abnahme von 7.456 (2007) auf 7.353 Beschwerden gegeben. Bei 5.581 davon handelte es sich um vermeintliche Gratis-Dienste. Der Schaden lag insgesamt bei rund 1,1 Mio. Euro, durch Schlichtungen wurden Streitfälle im Wert von 887.000 Euro beigelegt. Bei 75,9 Prozent der Fälle hatten Internetnutzer Schwierigkeiten mit Verträgen oder dem Rücktrittsrecht. 11,2 Prozent mussten sich mit Liefer- bzw. Vorauskasse-Problemen herumschlagen. 88,4 Prozent der Beschwerden löste die Stelle zugunsten der User, 0,5 Prozent zugunsten von Unternehmen.

Nur angeblich kostenlos
Neben Seiten, die vorgeben gegen die Bekanntgabe persönlicher Daten Gratis-Dienste oder Gewinnspiele anzubieten, machen Konsumenten vor allem kostenpflichtige Downloads zu schaffen. Diese bieten oft Programme an, die eigentlich kostenfrei erhältlich sind. Internetauktionen sorgten lediglich für 4,7 Prozent der Problemfälle. Verursacht wurden die Schwierigkeiten zu 53,9 Prozent von Firmen aus Deutschland, 34 Prozent der Fälle spielten sich direkt im Inland ab. Eine Hilfe für Konsumenten bietet die Watchlist mit fragwürdigen Anbietern an.

Gesetzesänderungen nötig
Die AK führt Musterklagen gegen unseriöse Anbieter und hat damit bereits ein erfolgreiches Urteil beim OGH erwirkt. Gefordert werden von der Kammer vor allem rechtliche Maßnahmen sowie ein grenzüberschreitendes Vorgehen auf EU-Ebene. Die EU-Fernabsatz-Richtlinie aus dem Jahr 1997 müsse dringend erneuert werden, so Glatz. Notwendig wäre eine jederzeit mögliche Kündigung von Abo-Verträgen sowie ein unbegrenztes Rücktrittsrecht, wenn die Informationspflicht nicht eingehalten werde. Zusätzlich müsse man unrechtmäßig erlangte Gewinne abschöpfen und Online-Verträge nur dann für gültig erklären, wenn eine Bestätigungs-E-Mail des Kunden vorliege.

Auch SPÖ-Sozialminister Rudolf Hundstorfer plädierte für ein EU-weites Vorgehen und notwendige juristische Schritte. Er rechnet im Frühjahr mit Ergebnissen bei den EU-Verhandlungen über die Verbraucherrichtlinie.




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