17. März 2009 18:08

ÖSTERREICH-Interview 

"Bin noch nicht so unlebendig"

Dass Bischof Schwarz sein Liebesleben durchleuchten will, nimmt Josef Friedl gelassen. Den Rummel um seine Person ebenfalls.

"Bin noch nicht so unlebendig"
© APA

ÖSTERREICH: Herr Friedl, am Montag waren Sie ungewöhnlich wortkarg.
Josef Friedl: Eigentlich will ich ja gar nichts mehr sagen. Das alles hat so einen Wirbel verursacht.

War der möglicherweise beabsichtigt?
Nein, das war nicht gewollt. Ich habe nie etwas verschwiegen. Die Geschichte war ja bekannt.

Wünschen Sie sich, dass weitere Priester Ihrem Beispiel folgen und sich zu ihren Partnerbeziehungen bekennen?Nein, ich will da niemanden hineinziehen. Das ist jedem selbst überlassen. Ich habe damit auch nichts bezweckt.

Warum haben Sie es dann getan?
Ich will ehrlich bleiben und das leben, was ich für richtig halte. Ich gebe meine Erfahrungen weiter, nicht Theorie. Davon haben die Menschen genug.

Die Praxis sieht so aus, dass Sie ab sofort nicht mehr Dechant sind. Enttäuscht?
Nein. Für mich ist heute ein ganz normaler Arbeitstag. Dass ich nicht mehr Dechant bin, heißt nur: eine Arbeit weniger – basta. Meine Amtszeit wäre nächstes Jahr abgelaufen. Jetzt ist es ein Jahr früher – auch egal. Ich habe als Dechant viel geleistet.

Hätte Bischof Schwarz überhaupt anders handeln können?
Das weiß ich nicht, da müssen Sie ihn fragen. Ich habe ihm jedenfalls alles gesagt, war ehrlich.

Der Bischof verlangt jetzt von Ihnen eine „nähere Erklärung“ Ihrer Partnerschaft. Wie sehen Sie diesen weiteren Gesprächen entgegen?
Mein Gott, was soll das heißen: weitere Gespräche. Man ist ja immer irgendwie im Gespräch. Aber ich sage Ihnen eins: Glaube gibt Gelassenheit.

Sie befürchten nicht, dass Sie als Pfarrer abdanken müssen?
Ich bin 65, könnte heuer noch in Pension gehen. Aber warum sollte ich? Ich bin noch nicht so unlebendig.

Hilft es Ihnen, dass die Ungenacher zu Ihnen stehen?
Sie glauben ja nicht, wie viele Menschen zu mir kommen. Die brauchen mich. Ich bekomme so viel zurück. Mein Leben ist in der Pfarre. Die Beziehung ist ja nur ein Randbereich.

Was sagt Ihre Freundin Rosi zu dem Ergebnis des Gesprächs mit dem Bischof?
Da sage ich nichts. Ich möchte sie schützen.

Sind Ihre Forderungen nach einem Zölibat auf Zeit realistisch?
Ich weiß nicht, was Rom dazu sagt. Jeder muss im Leben die Chance haben, etwas Neues zu lernen. Im Orden gibt es das schon lange.




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