16. November 2007 13:38

Brodmann kauft 

Bösendorfer bleibt österreichisch

Laut der "ZiB" verkauft die BAWAG die Klaviermanufaktur für 11 Millionen Euro. Die japanische Yamaha-Gruppe geht leer aus.

Bösendorfer bleibt österreichisch
© APA

Die weltberühmte, aber defizitäre Klaviermanufaktur Bösendorfer bleibt in österreichischen Händen. Die dem US-Fonds Cerberus gehörende BAWAG verkauft die Manufaktur an Brodmann Pianos, einen Wiener Klaviererzeuger, berichtete am Freitag der ORF in der Mittags-"ZiB".

Yamaha geht leer aus
Die japanische Gruppe Yamaha, die ebenfalls kaufen wollte, sei leer ausgegangen. Das Brodmann-Konsortium habe mehr geboten.

Klavierbauer Brodmann Pianos erhält Zuschlag
Den Zuschlag bekam laut ORF der Wiener Klavierbauer Brodmann Pianos. Dahinter steckt ein langjähriger Kenner von Bösendorfer, Christian Höferl, der früher Verkaufsmanager von Bösendorfer war. Finanziert werde der Kauf mehrheitlich über den Mittelstandsfinanzierer EK-Fin, ein Fonds der Bank Austria. Kolportiert werden knapp 11 Mio. Euro.

Bösendorfer schrieb im Vorjahr fast 2 Mio. Euro Verlust. Die Schulden belaufen sich auf geschätzte 8 Mio. Euro.

Noch keine offiziellen Kommentare
Von Seiten der Bösendorfer-Verkäuferin BAWAG und auch bei Brodmann Pianos in Wien standen zu Mittag Aussagen zum bevorstehenden Verkauf der traditionsreichen Klaviermanufaktur Bösendorfer aus.

Deal gilt als fix
In informierten Kreisen hieß es heute, dass die Würfel Mitte dieser Woche Richtung Brodmann gefallen seien, der Deal gelte als fix, ein formaler Beschluss stehe aber noch aus. Von der BAWAG PSK-Presseabteilung gibt es noch keine Bestätigung: "Eine Entscheidung ist nicht gefallen", so eine Sprecherin der Bank am Freitag am frühen Nachmittag. Auch der Betriebsrat weiß noch nichts von einer fixen Entscheidung.

Mit der "Joseph Brodmann Piano Group" um Christian Höferl (Headquarter Wien 4, Viktorgasse 14) wurde heute, Freitag, aber verhandelt, heißt es in informierten Kreisen.

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BAWAG kaufte 2001
Die BAWAG hatte den Klavierbauer Bösendorfer im Jahr 2001 um 25 Mio. Dollar (21,1 Mio. Euro) vom langjährigen US-Eigentümer Kimball erworben. Der Klavierverkauf der weltberühmten Manufaktur war in den vergangenen Jahren zurück gegangen.

Christian Höferl und sein "Co" Colin Taylor - die Gründer von Brodmann Pianos - blicken beide auf Bösendorfer-Vertriebsmanagererfahrungen zurück. Höferl war einst Marketingleiter der L. Bösendorfer Klavierfabrik und Taylor war langjähriger Vertriebsleiter.

Bei Bösendorfer hoffte man auf österreichische Lösung
Die Bösendorfer-Mitarbeiter haben massiv auf eine "österreichische Lösung" gehofft. Die Belegschaft hat eine Aversion an einen neuerlichen Verkauf an Ausländer erkennen lassen. Deshalb waren Standortgarantien für Bösendorfer in Österreich verlangt worden. Auch namhafte Kunstschaffende hatten vor wenigen Wochen ihrer Empörung wegen einer Verscherbelung von Bösendorfer ans Ausland Luft gemacht, als der japanische Yamaha-Konzern als aussichtsreichster Kandidat galt. Der Pianist Rudolf Buchbinder schäumte: "Man verkauft doch auch nicht die Sängerknaben und die Lipizzaner ins Ausland!" Nikolaus Harnoncourt assistierte in "News": "Das ist zum Weinen. Mich fröstelt, wenn ich daran denke."

Verkauf im Vorjahr gestoppt
Im Vorjahr, als es nach Aufbrechen der BAWAG-Spekulationskrise an den Verkauf der Bank selbst gehen musste, war der damals bereits eingeleitete Verkauf von Bösendorfer wieder gestoppt worden. Im heurigen Spätsommer, inzwischen ist Cerberus neuer BAWAG-Eigentümer, wurde das Verkaufsprocedere abermals eingeleitet.




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