27. Juli 2008 13:24

Kauf durch Yamaha 

Bösendorfer fürchtet Verlegung nach Japan

Beim Wiener Traditionsbetrieb fürchten die Klavierbauer, dass der neue Eigentümer Yamaha die Produktion nach Asien holt.

Bösendorfer fürchtet Verlegung nach Japan
© APA

In drei Jahren solle Bösendorfer schwarze Zahlen schreiben, hatte der japanische Konzern Yamaha Ende Dezember erklärt, als er der BAWAG für 14 Mio. Euro die Firma abgekaufte und das Ruder bei der defizitären österreichischen Klaviermanufaktur übernahm. In der Bösendorfer-Belegschaft wächst unterdessen die Sorge vor einer Werksverlagerung nach Asien.

Weiterhin Verluste
Der Klavierhersteller steckt dem Wirtschaftsmagazin "trend" zufolge nach wie vor in der Krise. Das vor einem halben Jahr an Yamaha verkaufte Unternehmen schreibt weiterhin Verluste, die Qualitätsprobleme sind immer noch vorhanden, und die Produktion im Werk in Wiener Neustadt ist wirtschaftlich kaum vertretbar.

Steinways besser
Mit rund 150 Mitarbeitern baut Bösendorfer weiterhin nur knapp 300 Klaviere und Flügel pro Jahr, was in der Vergangenheit kontinuierlich einen Verlust von 2 Mio. Euro verursacht hat. Von Kennern wird indessen auch die Konstruktion der Bösendorfer Flügel kritisiert. Während Marktführer Steinway fünf Lagen Hartholz verleimt, verwendet Bösendorfer offenbar mit Hartfaserplatten verleimtes Fichtenholz.

Belegschaft zittert
Nach der im April bekannt gewordenen Gründung von "Bösendorfer Japan Co., Ltd." befürchtet die Belegschaft eine Verlagerung der Produktion nach Fernost. Viele rechnen damit, dass Yamaha ein zweites Werk in Fernost errichten und trotz Standortgarantie letztlich die Produktion nach Japan verlagern wird, sollte der Turnaround nicht binnen fünf Jahren geschafft sein.

Derzeit keine Verlegung
"Es wäre einfacher, die Produktion in einer modernen Fabrik neu zu organisieren", wird der vom neuen japanischen Eigentümer eingesetzte Geschäftsführer Yoshichika Sakai zitiert. Sakai gibt Mängel und Verluste auch offen zu, verteidigt aber seine Linie: "Man kann einen derartigen Traditionsbetrieb nicht von einem Tag auf den anderen umkrempeln, und bei Bösendorfer Japan handelt es sich um eine reine Marketing- und Vertriebsgesellschaft. Ein Werk in Asien zu errichten ist vorerst nicht geplant." In den nächsten Jahren sehe er das nicht. Ausschließen will Sakai diese Option aber auch nicht.




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