29. Juni 2009 16:08

Blechlawine 

Chaos beim Run auf den Diskont-Sprit

Spritpreise um 0,56 Euro locken in Salzburg. Der Verkehr brach zusammen.

Chaos beim Run auf den Diskont-Sprit
© APA

Ein Liter Treibstoff statt um einen Euro um fast die Hälfte: Seit Montag können Autofahrer bei drei Filialen des Diskonters Hofer nicht nur billig einkaufen, sondern auch tanken. Unternehmer Markus Friesacher eröffnete seine ersten drei Tankstellen auf Hofer-Parkplätzen in Salzburg - und zwar in Schallmoos, Obertrum und am Airportcenter Wals.

Die drei Diskont-Tankstellen, die ohne Personal auskommen (bezahlt wird am Automaten mit Karte) verkauften Diesel um 0,525 Euro, Super um 0,592 Euro pro Liter. "Von in der Früh weg ein Mega-Erfolg“, so Spritpeis Markus Friesacher zu ÖSTERREICH. Vor den Tankstellen bildeten sich Schlangen von 80 bis 100 Autos, auf den Zufahrten gab es lange Staus.

So reichte beispielsweise von Freilassing im benachbarten Bayern Richtung Salzburg die Blechlawine kilometerweit zurück, auch auf der Westautobahn in Wals oder bei Salzburg Mitte stand alles.

Konkurrenz-Tankstellen senkten mehr als 30 Cent
Die Mitbewerber schauten sich das nicht lange an. "Innerhalb von Minuten sind OMV und Shell unter den Einkaufspreis gegangen“, ärgert sich Markus Friesacher. „Wenn sie in Salzburg plötzlich so billig anbieten können - warum geht das nicht in ganz Österreich?“ Die Bundeswettbewerbsbehörde ist jedenfalls bereits eingeschaltet.

Fakt ist: Die OMV verkaufte den Liter Diesel in Obertrum am Sonntag noch um 0,959 Euro, am Montagvormittag waren es plötzlich nur mehr 0,585 Euro. „Dort, wo Diskonter aggressiv in den Markt gehen, reagieren wir natürlich auf deren Preisniveau“, heißt es seitens der Mineralölgesellschaften.

Das Spritpreis-Paradies wird nicht auf Salzburg beschränkt bleiben. Friesachers Firma FE-Trading und Hofer wollen mittelfristig Diskont-Tankstellen in ganz Österreich eröffnen.

1. Juli: D-Day für den Spritpreis
Preisvergleiche an den Tankstellen erforderten bislang von Autofahrern detektivische Fähigkeiten, denn an vielen Zapfsäulen wurden bis zu neunmal am Tag die Preise verändert. Damit ist ab Dienstag Schluss. Laut Erlass von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner dürfen Mineralölfirmen nur mehr einmal am Tag die Spritpreise erhöhen – und zwar beim Aufsperren, bei 24-Stunden-Tankstellen um 0.00 Uhr. Senken dürfen sie diese allerdings nach wie vor so oft sie wollen. Mitterlehner: "Mit der Verordnung wollen wir, dass sich der Konsument einen einfachen Überblick über die Preise verschaffen kann und sich nicht mehr verschaukelt vorkommt.“ Die Mineralölwirtschaft (FVMI) lehnt die Verordnung ab und kündigt bereits eine Klage beim Verfassungsgerichtshof an. FVMI-Sprecher Capek: „Preisänderungen sind Zeichen des intensiven Wettbewerbs.“




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