05. Juni 2009 17:08

Klagen drohen 

Citicorp wirft MEL Rechtsbruch vor

Die nächste "Bombe" im MEL-Skandal: es geht um Anleihen in der Höhe von 600 Mio. Euro.

Citicorp wirft MEL Rechtsbruch vor
© EPA

Neuer Knalleffekt in der Causa Meinl European Land (MEL): Um die im Jahr 2006 ausgegebenen Anleihen im Volumen von ursprünglich 600 Mio. Euro könnte eine Klagswelle ausbrechen. Der Treuhänder der Schuldverschreibungen, Citicorp, wirft der Gesellschaft Rechtsbruch beim Zertifikaterückkauf 2007 vor, der Jersey-Recht verletzt habe. Nach der jetzigen Feststellung in dem Citigroup-Gutachten können Anleihezeichner von der Gesellschaft (Atrium, Anm.) wegen Verletzung der Anleihebedingungen Rückzahlung verlangen, so Experten.

Mitteilung
Die MEL-Nachfolgegesellschaft Atrium European Real Estate hat heute Freitag nachmittag ad hoc mitgeteilt, dass die Citicorp in einem mit 2. Juni 2009 datierten Brief mitteilte, dass "der vom früheren Management der Gesellschaft durchgeführte Rückkauf von Zertifikaten zur Jahresmitte 2007, als sie als Meinl European Land firmierte, Vorschriften nach Jersey-Recht verletzte".

Rechtliche Schritte
Citicorp sei der Meinung, dass eine Bedingung eingetreten sei, die einen Fall der Nichterfüllung darstellt und die materiell nachteilig für die Inhaber der Schuldverschreibungen sei. In dem Brief werde weiter ausgeführt, dass sich Citicorp in dieser Hinsicht weitere rechtliche Schritte vorbehalte.

Der Brief enthalte keine Anzeige einer vorzeitigen Fälligstellung der Schuldverschreibungen. Es wurden keine Unterlagen übermittelt, die die Behauptungen in dem Brief unterstützen würden, so die Atrium. Bei den Anleihen geht es um die im "guaranteed medium term note programme 2006" der Gesellschaft ausgegebenen Schuldverschreibungen.

Atriums Antwort
Atrium weist Citicorp's Feststellungen zurück und verweist auf Vorkorrespondenz. Demnach habe die Gesellschaft gegenüber dem Treuhänder klar dargelegt, dass es (gestützt auf ein Rechtsgutachten) keine Verletzung der Anleihebedingungen gegeben habe und, dass "selbst im Fall einer solchen Verletzung diese nicht materiell nachteilig für die Inhaber der Schuldverschreibungen" gewesen sei. Atrium behält sich ihrerseits rechtliche Schritte vor.

Erstmalig in Österreich
Noch nie habe eine Anleihe einer in Österreich börsenotierten Firma "Default-Status" wegen mutmaßlichen Rechtsbruchs ihres Emittenten erhalten. Die Meinl-European-Land-Verantwortlichen hätten immer argumentiert, dass für die Meinl-Börsefirmen Jersey-Recht gelte. Erstmals wollen Gläubiger nun einen materiellen Schaden gerichtlich festmachen. Durch den umstrittenen, in den Augen der Citicorp rechtswidrigen Zertifikaterückkauf wurde der Gesellschaft Eigenkapital entzogen, argumentieren kritische Anleger, die sich nun bestätigt fühlen.




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