18. Juli 2008 16:24

US-Finanzkrise 

Citigroup beruhigt trotz Verlust

Die weltweite Finanzkrise hat im Frühjahr neue Milliardenlöcher in die Bilanz der US-Großbank Citigroup gerissen.

Citigroup beruhigt trotz Verlust

Der Quartalsverlust fiel mit 2,5 Mrd. Dollar (1,58 Mrd. Euro) aber nicht so hoch aus wie an den Märkten befürchtet. Damit ließ die größte Bank der USA am Freitag Hoffnungen aufkeimen, dass die seit einem Jahr andauernde Finanzkrise allmählich abebbt. Auch überraschend tiefrote Zahlen der US-Investmentbank Merrill Lynch konnten die positive Stimmung nicht trüben. Die zuletzt arg gebeutelten Banktitel zogen weltweit kräftig an und verhalfen auch dem deutschen Leitindex Dax zu Kursgewinnen.

Weniger Verlust als befürchtet
In den vergangenen drei Monaten führten die Turbulenzen an den Märkten zu weiteren Belastungen bei der Citigroup von fast zwölf Mrd. Dollar. Neben Abschreibungen auf US-Ramschhypotheken (Subprime) schlugen eine erhöhte Risikovorsorge bei US-Konsumkrediten und im Kreditkartengeschäft negativ zu Buche. Vor einem Jahr - also kurz vor Ausbruch der Krise - schrieb die einst größte Bank der Welt noch einen Gewinn von mehr als sechs Mrd. Dollar. Aus dem fortgeführten Geschäft summierte sich der Verlust nun auf 2,22 Mrd. Dollar oder 49 Cent je Aktie, während Analysten im Schnitt 67 Cent erwartet hatten. Der Fehlbetrag halbierte sich aber im Vergleich zum ersten Quartal. "Es sieht so aus, als ob das Schlimmste des Subprime-Trubels hinter uns haben", sagte Bankexperte Andre Bakhos von der Princeton Financial Group.

11.000 Stellen abgebaut
Die Citigroup ist mit Gesamtbelastungen von mittlerweile fast 60 Mrd. Dollar weltweit am härtesten von den Verwerfungen an den Finanzmärkten betroffen. Nach scharfer Kritik am Kosten- und Risikomanagement musste der frühere Chef Charles Prince Ende 2007 seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger Vikram Pandit will mit harten Einschnitten und einem radikalen Konzernumbau wieder in die Gewinnspur zurückkehren. So baute er im ersten Halbjahr 11.000 der rund 300.000 Stellen ab. Weitere Streichungen Tausender Arbeitsplätze werden erwartet, da Pandit in den kommenden zwei bis drei Jahren insgesamt 15 Mrd. Dollar an Kosten senken will. "Wenngleich es noch viel zu tun gibt, sind wir von den Fortschritten des Umbaus ermutigt", erklärte der Bankchef.

Vermögenswerte sollen verkleiner werden
Neben Einsparungen will Pandit die Citigroup auch deutlich um Vermögenswerte von bis zu 400 Mrd. Dollar verkleinern, um Kapital freizusetzen. So vereinbarte die Citigroup in diesem Monat den Verkauf ihrer deutschen Privatkundentochter Citibank an die französische Genossenschaftsbank Credit Mutuel für rund acht Mrd. Dollar. Zahlreiche weitere Sparten wurden bereits weltweit verkauft: Insgesamt sei die Bilanz in den vergangenen Monaten um rund 100 Mrd. Dollar entlastet worden, erklärte das Institut. Daneben sammelte Citigroup bei Investoren Milliarden ein und reduzierte Dividendenzahlungen. Im Ergebnis stieg die Kernkapitalquote auf 8,7 Prozent von 7,12 Prozent zum Jahresende. Diese Kapitalausstattung gilt im internationalen Maßstab als sehr solide.

Aktien zogen um knapp 10 Prozent an
Citigroup-Aktien zogen um fast zehn Prozent an, nachdem sie in diesem Jahr zuvor um rund 40 Prozent eingebrochen waren. Auch andere Banktitel etwa von der Deutschen Bank oder der Commerzbank legten am Freitag kräftig zu. Die Zahlen der beiden größten deutschen Geldhäuser werden in den kommenden Wochen erwartet. Für zusätzlichen Optimismus bei den Anlegern sorgten Äußerungen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. "Es sieht so aus, als ob der Boden gefunden ist und die Menschen wieder beginnen, Vertrauen zu haben", sagte er im ZDF. Auch die US-Großbank JP Morgan hatte in dieser Woche überraschend starke Zahlen vorgelegt.

Dagegen kämpft die Investmentbank Merrill Lynch weiter mit Verlusten von fast fünf Mrd. Dollar. Das am Donnerstagabend vorgelegte Quartalsergebnis war deutlich schlechter als von Analysten erwartet. Bankchef John Thain sprach von einem schwierigen und enttäuschenden Vierteljahr. Nun sollen Beteiligungen etwa an der Finanznachrichtenagentur Bloomberg verkauft werden, um die von Abschreibungen über insgesamt 40 Mrd. Dollar ausgezehrte Kapitaldecke zu stärken. Auch Merrill hat als Reaktion auf die Finanzkrise bereits tausende Stellen abgebaut.




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