06. Oktober 2008 15:10

Aufatmen 

Deripaska will Strabag-Aktionär bleiben

Der russische Milliardär will zu vernünftigen Konditionen auch in Zukunft Kernaktionär der Strabag bleiben. Lezte Woche war er bei Magna als Großaktionär ausgestiegen.

Deripaska will Strabag-Aktionär bleiben
© APA

Der russische Oligarch Oleg Deripaska will auch künftig Kernaktionär des heimischen Baukonzerns Strabag bleiben. Das sagte Gulzhan Moldazhanova, Geschäftsführerin von Deripaskas Holding-Gesellschaft Basic Element. Hintergrund: Letzte Woche hatte Deripaska seinen 20-Prozent-Anteil an Frank Stronachs Autozulieferer an seine kreditgebende Bank (dem Vernehmen nach BNP Paribas), wo er als Sicherheit hinterlegt war, abgeben müssen. Ein ähnliches Szenario wird nun für Deripaskas Strabag-Beteiligung befürchtet. Deripaska ist durch die Finanzkrise schwer unter Druck, sein Konzern hat 14 Mrd. Dollar Bankschulden. Die Kredite sind großteils mit Aktienpaketen besichert, die inzwischen einen Großteil ihres Werts eingebüßt haben.

„Nicht um jeden Preis“
Der Strabag-Einstieg von Deripaska (er hält 25 % plus 1 Aktie an Hans Peter Haselsteiners Baukonzern) sei ähnlich finanziert wie der Magna-Deal, räumte Moldazhanova ein. Die Strabag-Aktien sind an die Bank (es soll sich um die Deutsche Bank handeln) verpfändet. Eingestiegen war Deripaska bei der Strabag um rund 42 Euro je Aktie – inzwischen hat das Papier seinen Wert halbiert. Die Bank könnte bald von Deripaska Geld nachfordern – oder sich, wie bei Magna, die Aktien schnappen. Anders als bei Magna wolle man bei der Strabag im Fall des Falles nachzahlen. „Nicht jeden Preis, aber einen vernünftigen Preis schon“, so Moldazhanova. Dass es bei Basic Element Probleme mit der Liquidität gebe, wies sie zurück.

Russland erholt sich
Die russische Bauwirtschaft habe sich abgeschwächt, werde sich aber rasch erholen. Bei den gemeinsamen Kernaktivitäten von Deripaskas Baufirmen und der Strabag seien keine Einschränkungen geplant. Die gestoppten Ausbaupläne für Zementwerke seien nur ein Randthema.

An Zusammenarbeit mit Magna ändert sich nichts
„Auch ohne Trauschein funktioniert es zwischen uns bestens“, kommentierte Magna International-Co-Chef Siegfried Wolf die Situation nach dem von der Bank erzwungenen Ausstieg von Oleg Deripaska bei dem Autozulieferer. Die Zusammenarbeit habe sich bestens entwickelt, dafür spiele es keine Rolle, ob Deripaska Anteile an Magna halte oder nicht. Deripaska sei und bleibe Magnas strategischer Partner in Russland.

„Schwere Entscheidung“
Die Entscheidung, die Magna-Aktien der Bank zu überlassen, sei nicht leicht gewesen, sagt Basic Element-Chefin Moldazhanova. Deripaskas Firma hatte das Magna-Paket vor einem Jahr für rund 1,5 Mrd. Dollar gekauft, inzwischen ist es etwa 700 Mio. weniger wert. Angesichts der weiter fallenden Kurse sei es aber das kleinere Übel gewesen, diesen Verlust hinzunehmen. „Der Börsenwert hat nichts mehr mit dem realen Wert des Unternehmens zu tun“, so Moldazhanova. „Das Hauptziel, die industrielle Zusammenarbeit mit Magna in Russland, ist ohnehin erreicht.“

Zahlreiche Projekte
Der Automarkt in Russland werde bald wieder wachsen, ist Wolf überzeugt. „Dann sind wir bestens vorbereitet, die Nachfrage zu bedienen.“ Magna und Deripaska bauen gemeinsam u. a. einen „russischen Chrysler Sebring“, die Produktion ist bereits angelaufen. „Darüber hinaus haben wir zahlreiche gemeinsame Projekte, die alle bestehen bleiben“, so Wolf.




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