14. Jänner 2009 12:26

Sattes Minus 

Deutsche Bank schreibt 4,8 Mrd. Euro Verlust

Jetzt hat es auch die größte Privatbank Deutschlands erwischt: Die Deutsche Bank macht fast 5 Mrd. Euro Verlust. Grund ist der Einbruch im Wertpapierhandel.

Deutsche Bank schreibt 4,8 Mrd. Euro Verlust
© dpa

Die Deutsche Bank fährt wegen der verschärften Finanzkrise einen Rekordverlust ein. Hohe Belastungen im Eigenhandel und weitere Abschreibungen führten 2008 unter dem Strich zu einem Minus von 3,9 Mrd. Euro, wie die Bank am Mittwoch mitteilte. "Wir sind sehr enttäuscht", sagte Vorstandschef Josef Ackermann. Ein Jahr zuvor stand noch ein Rekordüberschuss von 6,5 Mrd. Euro in den Büchern.

Postbank-Übernahme geht schneller vonstatten
Wegen der vor allem im vierten Quartal entstandenen Löcher in der Bilanz hat das größte deutsche Geldhaus die Bedingungen für den Kauf der Deutschen Postbank neu ausgehandelt: Die Übernahme geht schneller über die Bühne, wird aber kapitalschonender zum Teil mit eigenen Aktien finanziert.

Die Deutsche Post steigt über eine Kapitalerhöhung mit acht Prozent bei der Deutschen Bank ein und wird vorübergehend deren größter Aktionär. Der Wert der Transaktion bleibt aber mit 4,9 Mrd. Euro weitgehend unverändert. Die Postbank ist an der Börse inzwischen insgesamt nur noch 3,1 Mrd. Euro wert.

An den Finanzmärkten überwog die Enttäuschung über den überraschend hohen Verlust. Die Aktie der Deutschen Bank brach um acht Prozent ein und zog andere Finanzwerte mit nach unten. Postbank-Titel gaben sogar mehr als 16 Prozent nach, weil die freien Aktionäre nach der neuen Vereinbarung frühestens in drei Jahren mit einem Angebot der Deutschen Bank rechnen können. Am Dienstag hatten die Papiere in der Hoffnung auf eine schnelle Komplettübernahme kräftig angezogen. Die Post hält 62 Prozent an ihrer Banktochter.

4,8 Milliarden-Euro-Loch
Allein im Schlussquartal 2008 schrieb die Deutsche Bank 4,8 Mrd. Euro Verlust. "Das extrem schwierige Marktumfeld hat einige Schwächen in der Bank aufgezeigt", sagte Ackermann. Diese sollen abgestellt werden: So will die Bank als Reaktion auf die Krise die Abhängigkeit vom Investmentbanking verringern. Sie fährt den mit hohen Verlusten kämpfenden Eigenhandel zurück und streicht im Handel bis zu 1.000 Stellen.

Wie andere Banken will auch sie Risikopositionen abbauen. Hier habe das Geldhaus im vierten Quartal Fortschritte erzielt. "Weitere materielle negative Effekte" aus diesen Positionen seien daher nicht mehr zu erwarten, sagte Ackermann. Besonders die Risiken aus großen Milliardenkrediten zur Finanzierung von Übernahmen (Leveraged Loans) hat die Bank fast auf null reduziert. Auch der von vielen Analysten als zu hoch kritisierte Verschuldungsgrad sei zum Jahresende weiter gesunken.

Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass die seit anderthalb Jahren dauernde Krise auch die Deutsche Bank mit voller Wucht erfasst hat. Seit dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers im September ist der Handel mit vielen Kreditprodukten zusammengebrochen, was auch anderen Investmentbanken wie der Schweizer Credit Suisse Milliardenverluste eingebrockt hat.

Täglich kursieren Spekulationen über neue Löcher bei Großbanken: Am Mittwoch etwa spekulierten Analysten über einen Kapitalbedarf bei HSBC von bis zu 30 Mrd. Dollar.

Bislang keine Staatshilfe
Anders als viele Konkurrenten kommt die Deutsche Bank bisher aber ohne staatliche Kapitalhilfen durch die Krise. Die Kernkapitalquote liege Ende 2008 weiter bei der Zielgröße von zehn Prozent, erklärte die Bank. Trotz des Verlusts hat der Vorstand eine Dividende von 50 Cent pro Aktie eingeplant - vor einem Jahr waren es noch 4,50 Euro. Andere Geldhäuser haben die Ausschüttung an ihre Aktionäre komplett gestrichen.

Die Schonung der Kapitaldecke war auch ein Ziel der Nachverhandlungen über die im vergangenen September vereinbarte Postbank-Übernahme. Nun werde das Kernkapital der Deutschen Bank nur mit einer Milliarde Euro belastet statt mit 2,2 Mrd. Euro. Die Post kann ab Ende April die erste Hälfte der im Rahmen der 1,1 Mrd. Euro schweren Sachkapitalerhöhung erhaltenen Deutsche-Bank-Aktien marktschonend verkaufen, ab Mitte Juni den Rest. Experten rechnen mit einem raschen Verkauf, da sich die Post schnell aus dem Bankgeschäft zurückziehen will. Von einer Teilverstaatlichung könne keine Rede sein, betonte Post-Chef Frank Appel. Der Bund hält an dem Logistikkonzern noch 31 Prozent.

23 Prozent an Postbank erworben
Im ersten Schritt übernimmt die Deutsche Bank nun knapp 23 Prozent an der Postbank. Zugleich zeichnet sie eine Umtauschanleihe, die sie nach Ablauf von drei Jahren in weitere 27,4 Prozent an der Postbank wandeln kann. Erst dann wäre nach Angaben eines Deutsche-Bank-Sprechers ein Pflichtangebot an die anderen Aktionäre fällig. Über die restlichen Anteile gibt es Optionen, die frühestens in drei Jahren ausgeübt werden können. Die Transaktion soll Ende Februar abgeschlossen sein. Für die Post hat die neue Vereinbarung den Vorteil, dass sie bereits dann den vollen Baranteil von 3,8 Mrd. Euro bekommt - drei Jahre früher als angepeilt.




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