07. Februar 2008 15:48

Spitzenjahr 2007 

Deutsche Bank trotzt US-Finanzkrise

UBS, Citigroup: Die US-Finanzkrise hat große Banken erschüttert. Nicht so die Deutsche Bank - sie verbucht ein Milliardengewinn.

Deutsche Bank trotzt US-Finanzkrise

Die Deutsche Bank hat trotz der Krise auf den Finanzmärkten 2007 ein Rekordjahr hingelegt. Während andere Großbanken im Ausland teils tief rote Zahlen melden mussten, erzielte der deutsche Branchenprimus einen um fünf Prozent gestiegenen Vorsteuergewinn von 8,7 Mrd. Euro. Der Nettogewinn verbesserte sich um sieben Prozent auf 6,5 Mrd. Euro. Bankchef Josef Ackermann sprach bei der Präsentation der Bilanz am Donnerstag in Frankfurt am Main von einem "Spitzenjahr".

Aktie ist Tagessieger
Operativ sei es eines der besten in der Geschichte der Bank gewesen. Zugleich bestätigte Ackermann die Prognose, wonach die Deutsche Bank in diesem Jahr einen Vorsteuergewinn von 8,4 Mrd. Euro erzielen will. 2008 werde zwar kein leichtes Jahr werden, die Bank habe aber volles Vertrauen in ihr Geschäftsmodell und ihre Strategie. Prompt war die Aktie des deutschen Branchenprimus am Donnerstagmorgen der Tagessieger unter den 30 DAX-Werten: Das Papier legte um zwei Prozent zu.

Im vierten Quartal 2007 verdiente die Deutsche Bank allerdings deutlich weniger als im Jahr zuvor. Der Nettogewinn betrug 953 Mio. Euro, nach 1,8 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Konzern übertraf damit aber die Erwartungen von Analysten und musste zudem keine neuen Abschreibungen wegen der Kreditkrise vornehmen. Das Bankhaus schlägt sich damit in der Immobilienkrise besser als einige Konkurrenten, die Abschreibungen in zweistelliger Milliardenhöhe hatten vornehmen müssen. "Im vierten Quartal haben wir auch die Qualität unseres Risikomanagements wieder unter Beweis gestellt", erklärte Ackermann. Es habe keine Abschreibungen im Sub-Prime-Bereich gegeben.

Postbank-Übernahme?
Die Deutsche Bank hat Interesse an einer Übernahme der Postbank. "Wir haben immer gesagt, dass uns die Postbank interessieren würde", sagte Ackermann. "Wenn jemand uns ansprechen würde, wären wir gesprächsbereit. Das wäre auch für Deutschland eine sinnvolle Lösung." Seit Monaten wird spekuliert, dass sich die Post von ihrer Beteiligung an der Postbank trennen will.

Angesichts anhaltender Nervosität an den internationalen Finanzmärkten hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seine Managerkollegen erneut zur Offenlegung von Risiken gemahnt. "Es muss jetzt gemeinsam mit der Finanzindustrie alles daran gesetzt werden, das Vertrauen an den Finanzmärkten und in die Akteure zurückzugewinnen", sagte Ackermann am Donnerstag bei der Bilanzvorlage des DAX-Konzerns in Frankfurt. Es gehe in erster Linie um Transparenz: "Jeder Marktteilnehmer muss für sich und für die Aufsicht vollständig Klarheit über seine Engagements in den betroffenen Marktsegmenten schaffen."

US-Finanzkrise
Seit dem Sommer hält die Krise am US-Markt für zweitklassige US-Hypothekenkredite (Subprime) die Finanzbranche in Atem. Etliche Institute mussten Milliardenbelastungen verkraften. Die Deutsche Bank teilte am Donnerstag mit, von Oktober bis Ende Dezember habe sie netto "weniger als 50 Mio. Euro" abgeschrieben. Bis Ende des dritten Quartals hatte der deutsche Branchenprimus bereits 2,3 Mrd. Euro abgeschrieben.

"Insgesamt wurde die Deutsche Bank von der Subprime-Krise und ihren Auswirkungen weitaus weniger getroffen als viele unserer internationalen Wettbewerber", betonte Ackermann. Die Bank sehe in der Situation auch Chancen, verkenne aber nicht, "dass die Probleme an den Kreditmärkten sich in den nächsten Monaten auch realwirtschaftlich deutlich bemerkbar machen werden". Für Deutschland rechne er mit nur noch gedämpften Wachstum, aber nicht mit einer Rezession.




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