14. September 2007 08:00

MEL-Affäre 

Dieser MEL-Kleinanleger verlor 9.000 Euro

Die Meinl-Werbung versprach sichere Top-Renditen. Nun haben viele Anleger einen Großteil ihrer Ersparnisse verloren.

Dieser MEL-Kleinanleger verlor 9.000 Euro
© Kernmayer

Meinl European Land (MEL) war eine Art Volksaktie. Sie wurde von Meinl Success, einer Tochter der Meinl Bank, und zahlreichen Finanzberatern mit viel Druck an Kleinanleger verkauft. Rund 150.000 Österreicher vertrauten der Marke des ehemaligen Supermarkt-Betreibers. Sie investierten Geld und erwarteten gute Renditen bei geringem Risiko - wie in der Werbung versprochen.

"Bei mir meldeten sich Leute, die sogar ihren Bauspar-Vertrag auflösten, um die Aktie zu kaufen. Sie dachten, Immobilien seien eine sichere Sache", erzählt Harald Glatz von der Arbeiterkammer.

9.000 Euro verloren
Nach dem massiven Kurssturz von über 50 Prozent (zum Teil von MEL selbst verschuldet) haben viele Kleinanleger große Summen verloren. Einer von ihnen ist Walter Papst (48), der ÖSTERREICH gegenüber verbittert erklärt: "Ich bin 2005 eingestiegen, habe sogar noch ein Sparbuch aufgelöst, um MEL-Aktien nachzukaufen. Jetzt stehe ich mit einem Verlust von rund 9.000 Euro da." Vor allem ärgert sich der Kundenberater in der Telekom-Branche (1.500 Euro netto im Monat), weil Julius Meinl keine klaren Aussagen macht. "Bei mir läuten da die Alarmglocken. Man muss schauen, ob das eine kriminelle Sache ist wie bei der Bawag. Ich überlege, mich an einer Sammelklage zu beteiligen", so Papst. Seine Mutter, eine Pensionistin, hat sogar noch etwas mehr als 9.000 Euro verloren.

Leere Versprechen
Die MEL-Werbung war ganz auf den privaten Sparer ausgerichtet. "In fünf Jahren haben wir das Kapital unserer Anleger nahezu verdoppelt", hieß es in TV-Spots. Ein Sparschwein sollte Sicherheit wie beim Sparbuch suggerieren. Elf Prozent Verzinsung war neben dem Meinl-Logo zu lesen.

Wilhelm Rasinger, Chef des Interessensverbandes der Anleger: "Der kleine Mann ist extrem betroffen, weil MEL stark über den Aspekt der Sicherheit verkauft worden ist."

Klagen geplant
Wolfgang Göltl, Obmann der Finanzdienstleister in der Wirtschaftskammer, sagt: "Es bedeutet einen enormen Vertrauensverlust für die Meinl Bank. Viele sind enttäuscht, manche sogar getäuscht." Klagen werden geprüft. "Wir warten jetzt einmal die Prüfung der Finanzmarktaufsicht ab", sagt Michael Bolz von der Salzburger OVB Allfinanzvermittlung, die etwa 3.000 Betroffene hat. Die Familie Meinl hat 2006 mit MEL geschätzte 70 Millionen Euro verdient.

wol/pom, ÖSTERREICH




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