25. November 2007 09:16
Öl kostet fast 100 Dollar, der Euro jagt von einem Rekordhoch zum nächsten
und wird Anfang der Woche wohl die 1,50-Dollar-Hürde nehmen - und die USA
stecken tief in ihrem Kredit-Debakel: Viele Anzeichen deuten darauf hin,
dass die Weltwirtschaft auf eine große Krise zusteuert, die von den USA
ihren Ausgang nimmt.
"Wie in den 30er Jahren."
Die USA stecken in einem
schweren Dilemma. Ich erwarte eine tiefgreifende Rezession“, so der
amerikanische Ökonom Michael Burda im Magazin Spiegel. "Wenn die Krise noch
bis weit ins kommende Jahr hineinreicht, kann sie Ausmaße annehmen wie bei
der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren“, warnt Burda.
Ob und wie schnell auch die europäische Wirtschaft in Mitleidenschaft
gezogen wird, darüber sind sich die Experten uneinig. "Wir sind in einer
labilen Situation", meint der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS)
Bernhard Felderer, zu ÖSTERREICH. Mit Rezession habe das aber noch nichts zu
tun. Sollte der Eurokurs gegenüber dem Dollar weiter so hoch liegen, müsse
man die Wachstumsprognossen nach unten revidieren.
Exporteure in der Falle
Fakt ist: Die europäische Industrie
gerät durch den schwachen Dollar schwer unter Druck. Erste Konzerne ziehen
bereits Konsequenzen. So will der Luftfahrtkonzern EADS Teile seiner
Airbus-Fertigung aus Europa abziehen und in den Dollarraum verlagern. Auch
Österreich bekommt solche Folgen schon zu spüren: Statt bei Magna Steyr in
Graz will BMW seinen X3 künftig in den USA bauen. Und beim
Flugzeug-Zulieferer FACC wird bereits überlegt, verstärkt bei asiatischen
Subunternehmen fertigen zu lassen, da diese an den Dollarraum gebunden sind.
Im Vergleich zu anderen EU-Staaten erwischt es Österreich jedoch schwächer.
Nur rund 20 Prozent unserer Exporte werden in Dollar fakturiert. Außerdem
stieg der Anteil der Ausfuhren in die Eurozone zuletzt stark. Wesentlicher
Motor der heimischen Exportindustrie ist das Osteuropageschäft, das heuer
von Jänner bis August um knapp 17 Prozent wuchs. Trotzdem: Österreichs
Exporte in die USA brechen ein - in den ersten acht Monaten 2007 war ein
Minus von 6,3 Prozent zu verzeichnen.
Inflationsangst
Ob die Krise nach Europa überschwappt, hängt nach
Ansicht des Wifo-Experten Stephan Schulmeister im wesentlichen von der
Europäischen Zentralbank (EZB) ab. "Wenn die EZB bei den Zinssenkungen der
US-Notenbank auf Dauer nicht mitzieht, wird es schwierig." Will man
Exportausfälle durch mehr Konsum im Inland kompensieren, brauche es
niedrigere Zinsen. Wegen der steigenden Inflation, die mit Ölpreis und
Lebensmittel-Teuerung zusammenhängt, signalisiert die EZB jedoch eher
Zurückhaltung.