22. November 2007 19:41

Airbus-Chef 

"Dollarverfall ist lebensbedrohlich"

Airbus-Chef Thomas Enders sieht durch die zunehmende Dollarschwäche die Existenz des europäischen Flugzeugbauers bedroht.

"Dollarverfall ist lebensbedrohlich"
© AP

In einer Rede vor Beschäftigten am Donnerstag im Hamburg bereitete er die Belegschaft daher auf weitere massive Einschnitte vor. "Der rasante Verfall des Dollar ist lebensbedrohlich für Airbus", sagte Enders einem Firmensprecher zufolge. "Der Dollarkurs hat die Schmerzgrenze überschritten." Trotz der Aufträge in Rekordhöhe müsse Airbus mit "gewaltigen Verlusten" rechnen. Bei den Sparmaßnahmen dürfe es keine Tabus mehr geben.

Geschäftsmodell auf dem Prüfstand
Es müsse das gesamte Geschäftsmodell des Flugzeugbauers auf den Prüfstand gestellt werden. "Bei dem Verfall des Dollar sind vernünftige Anpassungsprozesse kaum noch möglich", sagte der Airbus-Chef. Das Management denke nun über "radikale Maßnahmen" nach, die bereits in den nächsten Wochen auf den Weg gebracht würden. "Es wird keine Tabus mehr geben", sagte der Manager vor den Mitarbeitern.

Es stelle sich die Frage, wie viele Zukunftsinvestitionen sich die Tochter des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS noch leisten könne. Alle großen Kostenblöcke würden durchleuchtet. Von Kündigungen oder den Verkauf von Werken über die bisher geplanten hinaus sei allerdings nicht die Rede gewesen, sagte der Airbus-Sprecher anlässlich eines Berichts des "Spiegel-Online" über die Enders Rede.

Lieferverzögerungen
Airbus geriet aufgrund von Lieferverzögerungen und zahlreichen technischen Problemen zuletzt gegenüber seinem US-Konkurrenten Boeing ins Hintertreffen. Der starke Anstieg des Euro gegenüber dem Dollar schwächt das Unternehmen zusätzlich. Airbus hatte bisher versucht, mit Werksverkäufen und einem rigiden Sparprogramm seinen Rückstand wiederaufzuholen.

Entscheidungen in Kürze
Zu Entscheidungen soll es in den nächsten Wochen kommen, sagte der Airbus-Chef. Die Gewerkschaft IG Metall bestätigte weitgehend die Inhalte der Rede, sieht sie aber gleichzeitig relativ gelassen. "Enders hat nichts Neues gesagt und ist viele Antworten schuldig geblieben", sagte Daniel Friedrich, der Sprecher der IG Metall Küste. Es bleibe offen, was damit gemeint sei, wenn es "keine Tabus" geben solle. Für die IG Metall stehe angesichts der hervorragenden Auftragslage von Airbus nicht das Sparen im Vordergrund, sondern die Optimierung der Produktionsprozesse. Friedrich erinnerte daran, dass Airbus das eigene Programm "Power8" bisher eher schleppend umsetze.

Schärferer Sparkurs angekündigt
Der Chef der Airbus-Muttergesellschaft EADS, Luis Gallois, hatte bereits Anfang November einen schärferen Sparkurs bei Airbus angekündigt. Flugzeuge werden international in Dollar abgerechnet, ein beträchtlicher Teil der Kosten fällt jedoch im Euroraum an. "Power8" ist auf einen Eurokurs von 1,35 Dollar ausgerichtet, mittlerweile steuert der Kurs jedoch bereits auf 1,50 Dollar zu. Deshalb wurde das Sparziel im Rahmen von "Power8" bereits von 2,1 auf 3,1 Mrd. Euro erhöht. Der umstrittene Verkauf der drei Airbus- Werke Varel, Nordenham und Laupheim sowie dem EADS-Werk Augsburg dauert länger als geplant, ebenso wie der geplante Abbau von rund 3.700 Arbeitsplätzen in Deutschland. Die Airbus-Kapazitäten sind voll ausgelastet und Airbus hat mehr als 3.000 Flugzeuge herzustellen.




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