02. Dezember 2008 21:55

Minus 41 Prozent 

Dramatischer Einbruch auf dem US-Automarkt

Die großen Autobauer stecken in der Krise: Ford, Toyota, General Motors und auch Porsche verspüren einen drastischen Einbruch.

Dramatischer Einbruch auf dem US-Automarkt
© Reuters

Wegen der Finanzkrise ist der US-Automarkt im November dramatisch eingebrochen. Die großen einheimischen und internationalen Autokonzerne meldeten am heutigen Dienstag Absatzrückgänge um bis zu 41 Prozent und kündigten eine Drosselung der Produktion an. Am schlimmsten erwischte es den am Rande der Insolvenz stehenden Konzern General Motors mit einem Minus von 41 Prozent im Vergleich zum November 2007. Bei Ford lag das Minus im Jahresvergleich bei 31 Prozent, Toyota verkaufte im gleichen Zeitraum in den USA 34 Prozent weniger Autos.

GM erklärte, der Absatz sei in den vergangenen zwei Monaten bereinigt um die Bevölkerungszahl so stark eingebrochen wie seit einem halben Jahrhundert nicht mehr. Der Autokonzern will nun nach Firmenangaben im ersten Quartal 2009 nur noch 600.000 Autos produzieren, das entspricht einem Rückgang von 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Ford will seine Produktion im ersten Vierteljahr 2009 um 37 Prozent auf 430.000 Autos zurückfahren.

Porsche verbucht Minus
Auch die deutschen Autobauer mussten deutliche Absatzrückgänge hinnehmen. Porsche verbuchte ein Minus von 46 Prozent auf 1.378 Fahrzeuge. BMW verkaufte um 26,8 Prozent weniger Autos als ein Jahr zuvor. Dabei federte der Kleinwagen Mini mit einem Plus von 43,1 Prozent die drastischen Einbußen von 36,1 Prozent bei der Stamm-Marke ab. Ähnlich sieht es bei Daimler aus. Während von den Oberklasse-Limousinen der Marke Mercedes Benz um 38,2 Prozent weniger verkauft wurden, konnte mit 1889 verkauften Smart-Kleinwagen der Gesamtverlust auf 29,9 Prozent abgefedert werden. Im Jahresverlauf verhalf der spritsparende Zweisitzer, der erst im Jänner auf den US-Markt kam, Daimler sogar zu einem Absatzplus von 1,2 Prozent. Vergleichsweise glimpflich kam Volkswagen mit einem Minus von 19,2 Prozent davon.

Im Oktober wurden in den USA 10,6 Millionen Fahrzeuge verkauft, das war der schlechteste Wert seit mehr als 25 Jahren und lag deutlich unter den 16 Millionen Fahrzeugen 2007, wie das Marktforschungsunternehmen Autodata mitteilte. Viele Analysten hatten mit Blick auf die umfangreichen Werbe- und Verkaufsaktionen und dem zurückgehenden Benzinpreis mit etwas besseren Zahlen im November gerechnet.

Milliarden-Hiilfe vom Staat
Die Chefs der drei großen US-Autobauer starteten indes einen neuen Anlauf, um milliardenschwere Staatshilfen für ihre Unternehmen zu erreichen. Sie reisten mit neuen Reformplänen nach Washington, um die Kongressabgeordneten doch noch zur Freigabe von 25 Milliarden Dollar (19,7 Mrd. Euro) für die strauchelnde Branche zu bewegen.

Laut Experten sind die Probleme der drei Detroiter Autokonzerne hausgemacht. Im Ringen um die Finanzhilfen wird erwartet, dass sie nun Managergehälter kappen, sparsamere Autos bauen und unpopuläre Marken zur Disposition stellen wollen. So könnte sich General Motors von seinen Marken Saab und Pontiac trennen, während bei Ford die schwedische Marke Volvo auf dem Prüfstand steht. Die Branchengewerkschaft UAW wird ihrerseits vermutlich aufgefordert, auf Job-Garantien für Arbeiter in zu schließenden Werken zu verzichten. Zu den Details ihrer Pläne äußerten sich die US-Hersteller zunächst nicht.

Überzeugender Pläne werden verlangt
Die US-Regierung bekräftigte unterdessen ihre Position, dass die angeschlagenen Autokonzerne für die Staatshilfen überzeugende Pläne vorlegen müssen. Es werde länger dauern, bis über die Hilfen abschießend beschlossen werde, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Im November war die Branche mit ihren Bemühungen um Gelder aus der Steuerkasse zunächst gescheitert. GM, Ford und Chrysler beschäftigen in den USA fast 250.000 Menschen. Ein Kollaps eines Autogiganten würden zudem die Zulieferer sowie die gesamte Konjunktur belasten.

Der ehemals zu Daimler gehörende Chrysler-Konzern braucht zum Überleben eigenen Angaben zufolge dringend einen Überbrückungskredit. Konzernpräsident Jim Press nannte am Dienstag jedoch keine genaueren Zahlen. Bisher war von sieben Milliarden Dollar die Rede. Ford erklärte unterdessen, 2011 wieder schwarze Zahlen schreiben zu können. Für die geplante Umstrukturierung sei aber eine Kreditlinie von bis zu neun Milliarden Dollar notwendig. Die Ford-Aktien notierte 3,1 Prozent im Plus, GM-Papiere lagen rund zwei Prozent schwächer.




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