09. Jänner 2008 09:48

Nach Verhandlungen 

EAG-Börsengang abgesagt

Banken und Investoren sollen bei EAG einsteigen. SPÖ stimmt der Alternative nicht zu. Pühringer will dem Land "20 Monate Wahlkampf ersparen."

EAG-Börsengang abgesagt
© energie ag

Der oberösterreichische Landesversorger Energie AG (EAG) geht doch nicht an die Börse. Nach monatelangen heftigen politischen Turbulenzen hat sich das Land kurz vor dem für 8. Februar geplanten IPO anders entschieden. Das am Mittwoch präsentierte Modell sieht vor, dass sich bis Ende Jänner Energieunternehmen sowie oberösterreichische Investoren, darunter vornehmlich Linzer Banken, beteiligen. Die SPÖ will auch dem "Plan B" nicht zustimmen.

OÖ will 51 Prozent behalten
Das Land Oberösterreich will mindestens 51 Prozent der EAG behalten, zweitgrößter Aktionär wird voraussichtlich die Raiffeisenlandesbank, auch die Oberbank bestätigte eine geplante Beteiligung - in einer Größenordnung von rund 4 Prozent. Insgesamt sollen oberösterreichische Banken, Versicherungen und Unternehmen 26 bis 27 Prozent der EAG übernehmen. Zu 8 Prozent soll sich die Tiroler Wasserkraftwerke AG (TIWAG) beteiligen, mit der bereits 2006 über einen Einstieg verhandelt worden war. Der städtische Versorger Linz AG strebt einen Anteil zwischen 6,5 und 10,3 Prozent an. Um den Verbund ranken sich ebenfalls Beteiligungsgerüchte, die zunächst aber nicht kommentiert wurden.

Politstreit um Börsegang
Der Politstreit um den Teilbörsegang der EAG tobte in Oberösterreich seit Monaten, die SPÖ machte massiv Stimmung dagegen und sammelte rund 90.000 Unterschriften. Damit erzwang sie eine Bürgerbefragung, die allerdings erst im März, also nach dem IPO (Initial Public Offering), stattfinden sollte. Das sorgte für Empörung bei der SPÖ, sie drohte sogar mit einer Klage.

Dem Land 20 Monate Wahlkampf ersparen
Mit dem nun ausgearbeiteten Modell wolle er dem Bundesland einen 20 Monate dauernden Wahlkampf ersparen, begründete Landeshauptmann Josef Pühringer (V) den überraschenden Schwenk. Ziel der künftigen Eigentümerstruktur ist die Bildung einer starke Westachse: Die TIWAG soll sich nicht nur am Unternehmen selbst beteiligen, sondern auch mit 49,9 Prozent an der Tochtergesellschaft Energie AG Service- und Beteiligungsverwaltungs-GmbH, die wiederum 26 Prozent an der Salzburg AG hält.

Erlös von 300 Mio. Euro?
Pühringer erwartet bei einem Stückpreis von 24 Euro einen Verkaufserlös von mehr als 300 Mio. Euro und damit einen voraussichtlich ähnlich hohen Betrag wie bei einem Börsegang. Keinen Grund zum Jubeln sah EAG-Generaldirektor Leo Windtner, "aber die Alternative verschafft uns weitgehend das Ziel, das wir angestrebt haben". Das Unternehmen sei jedenfalls "toll aufgestellt".

TIWAG würde für EAG Atomstrom-Verträge auslaufen lassen
Die Grünen, die mit der ÖVP auf Landesebene zusammenarbeiten, stünden "voll und ganz" hinter der Lösung, erklärte Klubobmann Gottfried Hirz. Er betonte die Sicherheit der Eigentümerstruktur und wies darauf hin, dass es eine Klausel gebe, wonach die TIWAG ihre sogenannten Atomstrom-Verträge auslaufen lassen werde.

"Beste Kuh im Stall verkauft man nicht"
Die SPÖ Oberösterreich will der neuen Lösung hingegen nicht zustimmen. Das Unternehmen solle in öffentlicher Hand bleiben, betonte Landesparteivorsitzender Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider. Er blieb bei seinem Argument: "Die beste Kuh im Stall verkauft man nicht." Wenn der Börsegang am 31. Jänner im Landtag aber "endgültig begraben wird", werde man die geplante Bürgerbefragung zurückziehen und mit den anderen Parteien an den Verhandlungstisch gehen. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina sprach von einem "Sieg der direkten Demokratie".

Infrastrukturminister muss sich noch einschalten
Auf höchster Koalitionsebene dürfte die Causa allerdings noch nicht angelangt sein: Das Thema sei von den Koordinatoren nicht diskutiert worden, sagte SP-Infrastrukturminister Werner Faymann.

Neue Lösung: "Verkauf unter der Budel"
Kritik an der Absage des Teilbörsegangs kam von der FPÖ OÖ: Landtags-Klubobmann Günther Steinkellner bezeichnete die neue Lösung als "Verkauf unter der Budel". Der freiheitliche Landtagsabgeordnete Herbert Aspöck, der bereits im Landtag entgegen der Parteilinie der Teilprivatisierung nicht zugestimmt hatte, sprach hingegen von einem "Sieg der Vernunft". Das BZÖ will den frei gewordenen Bürgerbefragungstermin für einen Volksentscheid über den EU-Vertrag verwenden. Enttäuschung über die Absage des Börsegangs äußerten auch die Wiener Börse und die Industriellenvereinigung Oberösterreich.

Börse bedauert abgesagten Börsegang
Die Börse bedauert den heute abgeblasenen Börsegang der EAG. "Es tut uns natürlich leid, dass der Börsegang abgesagt wurde", sagte Börse-Vorstand Heinrich Schaller zur APA. Es handle sich um eine Entscheidungen des Eigentümers, es stehe der Börse nicht zu, über die Motive für diesen Schritt zu spekulieren. Die Wiener Börse halte für 2008 unverändert am Ziel von sieben Börsegängen wie im Vorjahr fest.

Bei unsicherem Marktumfeld: Absage nicht ungewöhnlich
Im derzeit unsicheren Marktumfeld sei ein Verschieben oder Absagen eines geplanten Börsegangs nicht ungewöhnlich, so Schaller. Der Rückzieher der Energie AG ist bereits der dritte Börsegang seit November, der nicht zustande kam. Am 22. November verschob das Wiener Flugsicherungs- und Kommunikationsunternehmen Frequentis sein IPO, wenige Tage später folgte überraschend auch der steirische Edelstahlhersteller Breitenfeld.

Unter keinem guten Stern
Der EAG-Börseplan stand, wie es in der Finanzbranche heißt, von Anfang an unter keinem guten Stern. Zum heftigen Polit-Streit sei ein Streit um die Emissionsbanken gekommen, und jetzt kam das unsichere Börsenumfeld dazu. Das Bankenkonsortium wurde angeführt von der Schweizer UBS und der Deutschen Bank. Auch Raiffeisen, UniCredit und Societe Generale waren an Bord. Dass nicht lokale Banken an vorderer Stelle standen, hatte ebenso für böses Blut gesorgt, auch Sorgen um eine entsprechende lokale Platzierung hätten sich um diese Zusammensetzung gerankt.




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