27. November 2008 06:58

Weniger Roaminggeld 

EU einigt sich heute auf billigere Auslands-SMS

Die SMS-Roamingkosten sollen fallen. Die Mobilfunker sehen Eigennutz dahinter - Sie glauben, man will nur die Kosten der Eurokraten reduzieren.

EU einigt sich heute auf billigere Auslands-SMS

Die Telekommunikationsminister der 27 EU-Staaten werden sich voraussichtlich bei ihrem heutigen Treffen in Brüssel auf eine Senkung der Tarife für SMS-Nachrichten aus dem Ausland einigen. Die Minister sind offenbar mit dem Vorschlag der EU-Kommission weitgehend einverstanden. Die Kommission will die Kosten mit 0,11 Cent pro SMS zuzüglich Mehrwertsteuer begrenzen. Auch die Obergrenzen für Handytelefonate aus dem Ausland sollen weiter fallen.

Günstiger SMSen
Die EU-Kommission hat im Oktober vorgeschlagen, die Tarife für Textnachrichten vom Handy aus dem Ausland mit 0,11 Euro zu deckeln, nachdem die Mobilfunkbetreiber die Kosten nicht ausreichend gesenkt haben. In der EU wurden 2007 rund 2,5 Milliarden SMS verschickt und dafür 800 Mio. Euro ausgegeben. Bei Datenroaming deckelt die EU-Kommission vorerst nur die Großhandelspreise mit einem Euro pro Megabyte, Handykunden müssen im Ausland aber automatisch über die Entgelte informiert werden.

Billiger telefonieren
Seit Sommer 2007 gelten in der EU Obergrenzen für Telefonate mit dem Mobiltelefon im Ausland. Derzeit dürfen getätigte Handy-Anrufe in der EU nicht mehr als 46 Cent (exkl. Mwst.) und eingehende Anrufe nicht mehr als 0,22 Cent (exkl. Mwst.) kosten. Diese Obergrenzen wollen die Minister nun bis 2012 noch weiter abgesenken. Die nächsten Verbilligungen sollen ab 1. Juli greifen, anstatt wie bisher erst Ende August. Außerdem müssen die Betreiber die Gespräche künftig - abgesehen von einer halben Minute für den Verbindungsaufbau - sekundengenau abrechnen.

Will sich EU selbst was sparen?
Das Europa-Parlament muss der Verordnung ebenfalls noch zustimmen, was spätestens im Mai erfolgen wird. Diplomaten erwarten jedoch auch dort wenig Widerstand. Die heimischen Mobilfunker hingegen meinen, dass sich die oft kritisierte EU auf Kosten der Unternehmen profilieren will und es nebenbei darum ginge, die Kostenbelastung der "Eurokraten" zu senken. Die Zeche würden die Kunden bei Inlandstelefonaten zahlen.

Gemeinsamer EU-Regulator scheitert
Schwieriger gestaltet sich die Einigung auf eine weitere Harmonisierung der EU-Telekommärkte. Die EU-Kommission hatte im Vorjahr ein Gesetzespaket vorgeschlagen, das unter anderem die Einrichtung einer EU-Telekom-Aufsicht und mehr Mitspracherechte für Brüssel bei der Nutzung von frei werdenden Frequenzen vorgesehen hätte. Nachdem bereits das EU-Parlament die neue Agentur auf etwa ein Fünftel zusammengestrichen hat, wollen die EU-Staaten überhaupt keine neue Agentur, sondern nur eine formalisierte Zusammenarbeit der nationalen Telekom-Regulatoren. Nur Schweden und Großbritannien sollen noch an den Kommissionsplänen festhalten, könnten aber überstimmt werden. Auch die erzwungene Abtrennung der Netze bei Wettbewerbsproblemen soll nun noch als letzter Ausweg vorgesehen werden.




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