11. Juni 2008 08:15

Überproduktion 

Ein Viertel unseres Brotes wandert in den Müll

Überproduktion von Brot in Österreich: Ein Viertel der produzierten Ware wird weggeworfen. Oft dient Gebäck nur als Dekoration.

Ein Viertel unseres Brotes wandert in den Müll
Ein Viertel unseres Brotes wandert in den Müll

In Österreich landen Tonnen an Brot und Gebäck auf dem Müll. Die Bäcker blieben auf bis zu 25 Prozent ihrer Produkte sitzen, jedes fünfte bis sechste Brot wird weggeworfen. Der steigende Anteil der Retourware erhöhe die Preise, erklärten Fachvertreter bei einem Kolloquium der Vereinigung der Backbranche in Zauchensee laut einem "Standard"-Bericht. Nur ein Bruchteil der Retourware gehe an soziale Einrichtungen.

CO2-Ausstoß von 30.000 pkw
Unterm Strich bauten Österreichs Landwirte Jahr für Jahr auf 20.000 Hektar Getreide an, das letztlich im Abfall ende, rechnete Peter Lechner von der Wiener Universität für Bodenkultur laut Bericht vor. Mit dem weggeworfenen Brot verpuffe ebenso viel CO2, wie jährlich 30.000 Pkw erzeugten. "Ein Viertel der Produkte wird nicht gegessen." Diese Überproduktion gehöre hinterfragt, meinte Lechner, doch der Bevölkerung fehle es an Problembewusstsein. Fraglich sei zudem, wie es sich kleine Bäcker auf Dauer leisten könnten, ihre Waren den Supermärkten auf Kommission zu liefern, die oft nur als Dekoration der Vitrine dienten.

Verteuerung könnte gestoppt werden
Gelinge es, den Anteil des Altbrots innerhalb von drei Jahren zu halbieren, werde die Verteuerung des Brotes gestoppt, sagte Günther Behringer, Präsident der deutschen Bäckervereinigung, in der Zeitung. Der Konsument gehöre darüber aufgeklärt, "dass es nicht bis 18 Uhr volle Regale geben kann". Vor allem aber liege es an Handel und Produzenten, Lösungen für das Problem der Überschussproduktion zu finden. "Dafür brauchen wir endlich belastbare Daten und Ökobilanzen", fordert Lechner. Ohne die ließen sich die Verantwortlichen nicht an einen Tisch bekommen.

Immer breiteres Sortiment
Grund für das Überangebot an Brot sind laut den Fachleuten auch das immer breitere Sortiment, die steigende Zahl an Verkaufsstellen und längere Ladenöffnung. Wer das Angebot verknappt, riskiert Nachteile auf dem umkämpften Markt, so der Tenor. Schuld habe auch die Anstrengung des Handels, Personalkosten niedrig zu halten. Denn Lebensmittel zu sortieren sei teurer, als sie zu entsorgen. Für Konsumenten könnte sich Augenmaß beim Einkauf in jedem Fall rentieren. Im Durchschnitt werfe jeder Haushalt jährlich Brot im Wert von mehreren hundert Euro weg, konstatiert Lechner.




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