18. Oktober 2007 08:01

Stauchaos 

Eisenbahner-Streiks lähmen Europa

Frankreich erlebt den schwersten Bahnstreik seit Jahren. Der Ausstand der deutschen Lokführer sorgt für Stauchaos auf den Straßen.

Eisenbahner-Streiks lähmen Europa
© AFP

Mit dem schwersten Bahn- und Nahverkehrsstreik seit Jahren haben Frankreichs Gewerkschaften am Donnerstag die Machtprobe mit Präsident Nicolas Sarkozy gesucht. Am Morgen und am Vormittag war der Verkehr landesweit "sehr beeinträchtigt", wie die Staatsbahn SNCF mitteilte.

165 km Stau um Paris
Demnach fuhren kaum Hochgeschwindigkeitszüge. In Paris verkehrten nur zu den Stoßzeiten am Morgen einige wenige Pendlerzüge, U-Bahnen gab es kaum. Um die Hauptstadt bildeten sich 165 Kilometer Stau. Auch in Dutzenden anderen Städten wie Marseille kam es zu deutlichen Störungen.

Die acht Bahngewerkschaften, die sich erstmals seit 1995 auf einen gemeinsamen Streik einigen konnten, wollen bis Freitagmorgen um 08.00 Uhr die Arbeit ruhen lassen. Drei kleinere Gewerkschaften schlossen auch eine Verlängerung nicht aus. Am Montag wollen alle gemeinsam über das weitere Vorgehen beraten. Der Streik bei den Beschäftigten des Stromversorgers EDF und des Gaskonzerns GDF blieb für die meisten Franzosen dagegen kaum spürbar. Privatkunden waren nicht betroffen davon.

Deutschland: Lokführer-Streik sorgt für Chaos
Heftig waren die Auswirkungen im deutschen Regionalverkehr. Schwerpunkte des Ausstands lagen nach Angaben der Deutschen Bahn in den neuen Bundesländern und den Ballungsräumen der Großstädte. Auf vielen Autobahnen gab es Chaos.
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Abschaffung der Frühpensionen
Der Protest fünf Monate nach dem Amtsantritt Sarkozys richtet sich gegen die geplante Abschaffung der Frühpensionen bei Staatsunternehmen. Zuletzt hatte vor zwölf Jahren eine Regierung versucht, dieses Privileg zu kippen. Damals lag das ganze Land fast drei Wochen lang lahm, bis die Regierung schließlich von dem Vorhaben abließ. Bisher können Beschäftigte bei der Bahn, den Pariser Verkehrbetrieben und den Energieversorgern EDF und GDF teils schon mit gut 50 Jahren in Rente gehen; die konservative Regierung will nun die Lebensarbeitszeit von durchschnittlich 37,5 auf 40 Jahre erhöhen, um die Finanzierung des Systems zu garantieren, das den Staat jährlich rund fünf Milliarden Euro kostet. Betroffen sind 1,6 Millionen Menschen, von denen 1,1 Millionen bereits in Rente sind. Bei Ruheständlern will die Regierung die Rentenanhebung verändern, was laut den Gewerkschaften einer Kürzung gleichkommt.

Der Chef der Gewerkschaft CGT, Bernard Thibault, sagte, die Beschäftigten hätten keine andere Wahl gehabt. Die Regierung habe sie vor vollendete Tatsachen gestellt und verweigere den Dialog. Die Sozialisten als größte Oppositionspartei unterstützten den Streik.




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