11. Juni 2008 10:58

BAWAG-Prozess 

Elsner dementiert Konto in der Schweiz erneut

BAWAG-Prozess Tag 107: Elsner fühlte sich von den Medien ungerecht behandelt. Die Angeklagten werden immer nervöser.

Elsner dementiert Konto in der Schweiz erneut
© APA

Der 107. Verhandlungstag zeigte deutlich, dass einige Angeklagte - und ihre Anwälte - angesichts des nun doch nahenden Urteilstermins nervöser werden und ihre eigene Rolle noch einmal ausführlich ins rechte Licht rücken möchten.

Elsner: "Es gibt kein Konto in der Schweiz!"
Elsner kritisierte scharf die Medienberichterstattung über den Prozess: Im ORF-Radio sei behauptet worden, es sei ein neues Konto in der Schweiz aufgetaucht, wo er möglicherweise Millionen gebunkert habe. "Es gibt kein Konto in der Schweiz, auch kein Konto in Liechtenstein, kein Konto am Mount Everest", unterstrich der Angeklagte, der seit über einem Jahr in U-Haft sitzt und offenbar die Berichterstattung über den Prozess genau verfolgt.

Besuch in der Schweiz
Tatsächlich hatte das ORF-Radio sowohl über das Schweizer Konto, als auch über Elsners Dementi berichtet, wonach er mit dem Konto nichts zu tun habe. Staatsanwalt Georg Krakow hielt dem Angeklagten vor, dass er am 31. März 1995 mit der Schweizer Vermögensverwaltung Burgauer telefoniert habe und am Montag darauf in Zürich gewesen sei. Da habe er vermutlich eine Vorstellung eines Thomas Bernhard-Stückes am Züricher Schauspielhaus besucht, erklärte Elsner. Das Stück "Der Schein trügt" von Thomas Bernhard hatte am 1. April 1995 im Züricher Schauspielhaus Premiere.

Untersuchung der Vorstandsprotokolle
Der mitangeklagte Ex-BAWAG-Vorstand Hubert Kreuch sieht sich von vielen Dingen nicht informiert. Sein Anwalt Peter Schmautzer beantragte eine kriminaltechnische Untersuchung der BAWAG-Vorstandsprotokolle. Das Gericht gab dem Antrag statt, nun soll geprüft werden, ob die Protokolle möglicherweise gefälscht bzw. nachträglich verändert wurden. Die Protokolle seien als "Lose-Blatt-Sammlung" im Büro Elsners aufbewahrt worden, erläuterte Anwalt Schmautzer. Seiner Ansicht nach habe man etwa Unterschriften von einem Protokoll genommen und einem anderen Protokoll zugefügt.

Büttner von anderen Vorständen ausgegrenzt
Der frühere BAWAG-Vorstand Christian Büttner argumentierte erneut, dass er von anderen Vorständen ausgegrenzt worden wäre. "Die Dinge sind bewusst an mir vorbeigeführt worden", meinte Büttner. Büttner beschuldigte Johann Zwettler, damals BAWAG-Vorstand und später BAWAG-Chef, er habe ihm die Flöttl-Bilder als Sicherheiten für die Flöttl-Verluste dargestellt. Laut einem von Büttner privat verfertigten Protokoll hat ihm Zwettler gesagt, die Bilder seien je 100 Mio. Dollar wert. Zwettler bestritt dies entschieden, da sich dadurch bis zu 1,8 Mrd. Dollar Wert ergeben hätten, was nie jemand behauptet habe. Außerdem solle Büttner diese im Hinterzimmer verfertigten Notizen nicht als Beweis vorlegen.

Zeuge Huber konnte sich besser erinnern
Der bereits am 99. Verhandlungstag befragte Zeuge, der frühere BAWAG-Mitarbeiter Dieter Huber, trat heute freiwillig noch einmal in den Zeugenstand. Er habe sich nach Lektüre des OeNB-Berichts besser erinnert, so der nur kurz - vom April 2000 bis Mai 2001 - in der BAWAG beschäftigt gewesene Mann. "Die Sache hat mir keine Ruhe gelassen", erläuterte Huber seinen neuerlichen Zeugenauftritt. Er habe noch nie erlebt, dass ein Zeuge freiwillig noch einmal erscheine, meinte der Anwalt von Wolfgang Flöttl, Christian Hausmaninger, mit Misstrauen. "Ich freue mich, wenn Zeugen freiwillig kommen", entgegnete die belustigte Richterin. "Es ist für mich eigentlich kein Vergnügen", so der Zeuge. Inhaltlich brachte der damalige Assistent von Thomas Hackl keine neuen Erkenntnisse.

Am Donnerstag wird der BAWAG-Prozess mit der - laut Richterin hoffentlich allerletzten - Befragung von Gutachter Fritz Kleiner fortgesetzt.




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