01. März 2009 02:34

Nach Verlusten 

Erste holt sich Geld vom Staat

Neue Hiobsbotschaft bei der Erste Group: Das Institut schreibt im 4. Quartal 603 Mio. Euro Verlust. Vom Staat kommen nun 1,9 Mrd. Euro.

Erste holt sich Geld vom Staat
© APA

Der Chef der Erste Group, Andreas Treichl, geht davon aus, dass die 2,7 Mrd. Euro an frischem Kapital, die er in den nächsten Wochen zum größten Teil vom Bund aufnehmen will, ausreichen werden. "Ich bin überzeugt, dass wir nicht mehr Kapital brauchen", sagte Treichl am Freitag. "Wenn wir mehr brauchen, ist das nicht ein Problem der Erste Group". Das nämlich hieße, dass die ganze Region Osteuropa ein dramatisches Problem hätte.

Expertenprognosen, wonach die österreichischen Banken in Osteuropa aus ihren Kreditengagements zwischen 20 und 30 Mrd. Euro verlieren könnten, kommentierte Treichl öffentlich nicht. "Ich kritisiere keine Analysten".

Weniger Geld machen
2009 und 2010 werde die Bank weniger verdienen als man 2007 geglaubt habe. Eine Ergebnisprognose für 2009 mied Treichl auch auf mehrfache Nachfragen: "Erstens glaubt sie uns sowieso niemand und wenn wir sie nicht erfüllen, kriegen wir auch die Watschen".

Bis zu 2,7 Mrd. Euro von Bund
Mit dem Bund hat der Erste-Chef Freitag früh eine Grundsatzvereinbarung zur Aufnahme von 2,7 Mrd. Euro an Eigenkapital (Partizipationsscheine, Hybridanleihen) perfekt gemacht. Ende April soll fest stehen, wieviel der Bund davon genau zeichnen wird.

Angestrebt ist, dass der Bund 1,89 Mrd. Euro an Partizipationskapital mit 8 Prozent Jahreszins zeichnet. Denn 30 Prozent der gesamten 2,7 Mrd. Euro will die Erste Group selber platzieren, bei privaten und institutionellen Investoren. Sollten, laut Treichl wider Erwarten, die Privaten und Institutionellen nicht zugreifen, würde der Bund alle 2,7 Mrd. Euro aufbringen.

Zum Vergleich: Die ganze Erste Group war an der Wiener Börse heute Vormittag 2,5 Mrd. Euro wert.

Hätte die Erste Group das frische Kapital schon für 2008 bilanzieren können, hätte die Kernkapitalquote 9,8 Prozent betragen. So waren es per Ende Dezember 7,2 Prozent. Mit der Eigenmittelquote von 10,1 (Vorjahr: 10,5 Prozent) lag man weiterhin "komfortabel" über dem gesetzlichen Mindesterfordernis von 8 Prozent.

An staatsgarantierten Anleihen hat die Erste Group in den vergangenen Tagen einmal 1,5 und dann eine Milliarde Euro aufgenommen.

8% Verzinsung
Das öffentliche Angebot an PS-Zeichner kommt Ende April. Ein Börseprospekt ist bereits in Arbeit. Wegen der 30-Prozent-Privatquote kann die Verzinsung bei 8 Prozent liegen, auch muss die Erste Group nicht auf Dividenden verzichten. Was vor allem für ihre Hauptaktionärin, die Stiftung, wichtig ist. Die Vereinbarung mit dem Bund sieht auch eine Verzinsung des Hybridkapitals (mindestens 8,15 Prozent pro Jahr) vor.

Ein Recht auf Wandlung in Stammaktien ist mit den nicht stimmberechtigten PS nicht verbunden. Zurückzahlen will die Erste Group das PS-Kapital nach fünf Jahren aus eigenen Erträgen. Reichen die nicht aus, über eine Kapitalerhöhung. Dauere die Finanzkrise fünf Jahre, werde die Kapitalerhöhung wohl höher ausfallen, prognostizierte der Erste-Chef. Sie sei in ein bis zwei Jahren vorbei, müsse dafür unter Umständen keine Kapitalerhöhung kommen.

4,4 Mrd. Euro Kredite
Mit dem Bund vereinbart ist, dass die Bank in den nächsten drei Jahren an die heimische Wirtschaft neue Kredite für 4,4 Mrd. Euro vergibt. Mit der Zusage vom Oktober, zwei mal drei Milliarden zu vergeben, sei die Bank bereits freiwillig darüber hinaus gegangen.




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