24. Oktober 2007 12:36

Umfrage 

Fast 500.000 Österreicher arbeiten schwarz

In Österreich gibt es eine große Akzeptanz für Steuerhinterziehung. Fünf Prozent der Europäer haben im letzten Jahr schwarz gearbeitet.

Fast 500.000 Österreicher arbeiten schwarz
© APA

Fast eine halbe Million Österreicher hat nach eigenen Angaben im letzten Jahr schwarz gearbeitet. Besonders weit verbreitet ist dieses Phänomen in der EU unter Studenten, Arbeitslosen und Selbstständigen. Im Durchschnitt verdient ein Schwarzarbeiter in Europa 16,6 Euro pro Stunde. Und in fast keinem anderen EU-Land stößt Steuerhinterziehung auf so viel Verständnis wie in Österreich. Das geht aus einer am Mittwoch in Brüssel veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage im Auftrag der EU-Kommission hervor.

Sieben Prozent der Österreicher arbeiten schwarz
Für die Umfrage wurden von Mai bis Juni 26.659 EU-Bürger befragt (davon 1.009 in Österreich). Fünf Prozent der Europäer gaben an, in den letzten zwölf Monaten Schwarzarbeit geleistet zu haben. Bei rund 392,9 Mio. Bürgern wären das 19,7 Mio. Schwarzarbeiter. In Österreich ist der Anteil noch höher: Sieben Prozent oder 479.000 bekennen sich dazu, zumindest einen Teil ihres Einkommens an der Steuer vorbei geschummelt zu haben.

An sechster Stelle im EU-Vergleich
Damit liegt Österreich im EU-Vergleich an sechster Stelle. Am höchsten ist das Bekenntnis zur Schattenwirtschaft übrigens in Dänemark (18 Prozent), Lettland (15) und den Niederlanden (13 Prozent). Am niedrigsten in Zypern, Malta, Großbritannien, Portugal und Italien (siehe Tabelle).

Zahlen mit Vorsicht genießen
Freilich sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen, weil sie auf den eigenen Angaben der Befragten beruhen. So kann etwa die gesellschaftliche Akzeptanz der Schattenwirtschaft in einem Land eine höhere "Bekenntnisfreude" zur Schwarzarbeit bewirken. Und was die Toleranz für Steuerhinterziehung angeht, liegt Österreich fast an der Europaspitze: Auf einer Skala von 1 (verpönt) bis 10 (toleriert) wird Steuerhinterziehung nur mit 3,4 bewertet. Lockerer nehmen es lediglich die Letten (3,7). Am stärksten ist die Ablehnung in Zypern (1,6) sowie Finnland und Schweden (1,8).

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Trotzdem ist der Anteil der Österreicher, die angeben, dass ihre Arbeitgeber einen Teil des Lohnes in bar auszahlen, um Sozialversicherung und Steuern zu umgehen, mit vier Prozent relativ gering. Im EU-Schnitt sind es fünf Prozent, im Rumänien sogar fast ein Viertel. Der Großteil der Schwarzarbeit findet der Umfrage zufolge nämlich im privaten Umfeld statt (55 Prozent). Nur ein Fünftel der Europäer gab an, für ein Unternehmen schwarz gearbeitet zu haben.

Junge Männer bekennen sich am ehesten
Außerdem lässt die Umfrage Rückschlüsse auf die Identität der Schwarzarbeiter zu: Am höchsten ist das Bekenntnis, in den letzten zwölf Monaten schwarz gearbeitet zu haben, bei Männern und Jungen. Konkret: Unter 15 bis 24-Jährigen, Studenten und Arbeitslosen bekennen sich je neun Prozent, bei Selbstständigen acht Prozent zur Schwarzarbeit. Unter den Pensionisten ist es dagegen nur ein Prozent, unter Managern und Hausfrauen drei Prozent.

16,6 Euro pro Stunde
Im Durchschnitt verdient ein Schwarzarbeiter in Europa übrigens 16,6 Euro pro Stunde - wobei die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen noch größer ist als bei den regulären Löhnen: Während Männer angeben, 19 Euro pro Stunde zu bekommen, sind es bei Frauen nur zwölf Euro, also um über ein Drittel weniger. In der regulären Wirtschaft macht die Einkommensdifferenz "nur" 15 Prozent aus.




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