15. September 2007 12:36

FMA-Dossier 

Flöttl-Deals mit MEL-Papieren finanziert

Investmentbanker Flöttl soll 2005 einen 250.000 Dollar Kredit erhalten haben, berichtet "profil" unter Berufung eines FMA-Berichts.

Flöttl-Deals mit MEL-Papieren finanziert
© ÖSTERREICH

Ein vertrauliches Dossier der Finanzmarktaufsicht (FMA) birgt neuen Erklärungsbedarf für die Meinl Bank, die Meinl European Land (MEL) und auch den US-Investmentbanker Wolfgang Flöttl. Wie das Nachrichtenmagazin "profil" unter Berufung auf ein Papier der FMA berichtet, soll die Meinl Bank Flöttls Spekulationen mit MEL-Papieren finanziert haben.

250.000 Dollar
Laut "profil" hat Wolfgang Flöttl im März 2005 einen Kredit der Meinl Bank erhalten, um Wertpapiere der börsenotierten Immobiliengesellschaft Meinl European Limited anzukaufen. Dies gehe aus dem vorliegenden Schreiben der Meinl Bank an die Finanzmarktaufsicht vom 18. Mai 2006 hervor. Demnach habe die Bank dem damals angeblich mittellosen Investmentbanker über eine MEL Holdings Ltd. einen Kredit in der Höhe von 250.000 US-Dollar mit einer Laufzeit bis 31. März 2006 gewährt. Die von Flöttl erworbenen MEL-Papiere seien am 10. Oktober 2005 wieder verkauft worden, der Kredit wurde schließlich im März 2006 zurückgeführt. "Ein Wertberichtigungsbedarf war nicht gegeben", hält Bankier Julius Meinl V. in dem von "profil" zitierten Schreiben an die FMA fest.

BAWAG-Skandal
Die Behörde hätte die Bank im Zuge der Aufarbeitung des BAWAG-Skandals im Mai 2006 aufgefordert, "Engagements der Meinl-Gruppe gegenüber Dr. Flöttl bzw. ihm nahe stehenden Gesellschaften und Personen" offenzulegen. Daneben seien auch sonstige geschäftliche Aktivitäten der Bank in der Karibik abgefragt worden.

Der Kredit für die MEL-Spekulationen sei eines aus zahlreichen Geschäften gewesen, die Flöttl mit der Meinl Bank zwischen 2000 und 2006 unterhielt. Aus dem Dokument gehe darüber hinaus hervor, dass die Meinl Bank über ihre Karibik-Tochter Meinl Bank (Antigua) Ltd. zum 31. Dezember 2005 MEL-Papiere im Gegenwert von damals 14,78 Mio. Euro in den Büchern geführt habe.

Aufklärungswürdige Geldkreisläufe
Medieninformationen nach hat MEL ab 2005 aufklärungswürdige Geldkreisläufe mit so genannten "Commercial Papers" in Gang gesetzt. Die Anleihen wurden jeweils zwei Monate nach ihrer Emission wieder getilgt. Bis Jänner 2007 wurden solcherart 9,6 Milliarden Euro auf dem Papier im Kreis bewegt, obwohl die Gesellschaft über erhebliche Barreserven verfügte. MEL musste für diese "Commercial Papers" laut Jahresabschluss 2006 einen Zinsaufwand in der Höhe von 17,209 Millionen Euro verbuchen, schreibt "profil".

Bank-Geheimnis
MEL-Sprecher Rupert-Heinrich Staller wollte die Hintergründe nicht kommentieren. Gegenüber "profil" meinte er: "Der gesamte Vorgang ist eine völlig normale Bilanztechnik. Details unterliegen dem Geschäftsgeheimnis." Die Belastungen für die Gewinn- und Verlustrechnung der Immobiliengesellschaft bezeichnet er wörtlich als "minimal".

Auf die Frage, wer die Papiere jeweils gezeichnet hat, verweist Staller im Magazin auf das "Bankgeheimnis". Laut dem zitierten FMA-Dossier vom 18. Mai 2006 waren Ende 2005 Commercial Papers der MEL im Gegenwert von 1,2 Mrd. Euro bei der Meinl Bank (Antigua) Limited eingelagert.




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