28. Mai 2008 17:29

BAWAG-Prozess 

Flöttl vermittelte Elsners Schwiegersohn Job

Peinlichst genau untersucht wurde am 103. Verhandlungstag im BAWAG-Prozess der Londoner Job des Schwiegersohns von Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner.

Flöttl vermittelte Elsners Schwiegersohn Job
© APA

Der überraschend in den Zeugenstand gerufene Karl Kinsky (39) sagte aus, Wolfgang Flöttl habe ihm Anfang 2000 einen Job in London vermittelt. Flöttl nannte Elsner als treibende Kraft, außerdem habe er, Flöttl, Kinskys Gehalt gezahlt. Ganz anders die Darstellung Elsners: Er habe von Flöttls Job-Vermittlung gar nichts gewusst und sei überhaupt gegen die Vermischung von Geschäftlichem und Privatem: "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps".

In London untergebracht
"Elsner kam zu mir und sagte, heuere meinen Schwiegersohn an", sagte Flöttl. Einen Job in Wien habe Elsner nicht akzeptiert, so habe er Kinsky bei der Firma CMFS seines Ex-Mitarbeiters David Prance in Großbritannien untergebracht und diesem, seinem früheren Buchhalter, die Kosten "kompensiert":

100.000 Pfund Gehalt
Der Spekulant gab an, er habe das Gehalt für Kinsky und die Büromiete in London gezahlt - Kinsky versicherte, er habe davon nichts gewusst. Sein Gehalt in Höhe von über 100.000 Pfund (126.080 Euro) jährlich brutto habe er von der Firma CMFS erhalten. Mit Flöttl - einem engen Freund seines Schwiegervaters - sei er seit 1994 in Kontakt, man kenne sich von gemeinsamen Urlauben.

Von Verlusten "nichts gewusst"
Von Anfang 2000 bis etwa Februar 2003 war Elsners Schwiegersohn in London beschäftigt. Die Flöttl'sche Jobvermittlung fiel also in die Phase nach dem ersten großen Verlust der BAWAG mit Flöttl und vor dem zweiten. Von den Verlusten im Herbst 1998 habe er nichts gewusst, auch nichts von den UniBonds, den neuen Veranlagungen der BAWAG bei Flöttl, beteuerte Kinsky.

Flöttl legte Gehaltsbestätigungen vor
Auch die UniBond-Millionen gingen Ende 2000 verloren, Er habe als einziger Mitarbeiter von Prance in einem Londoner Büro Aufbauarbeit für Merger Arbitrage-Beratung geleistet und Analysen erstellt, aber nicht für Flöttl gearbeitet. Der Übernahmemarkt sei nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zusammengebrochen, daher sei er Anfang 2003 wieder nach Österreich zurückgekehrt. Warum Flöttl seine Gehaltsbestätigungen dem Gericht vorlegen konnte, wisse er nicht, ebenso habe er keinen Kontakt mehr zu David Prance.

"Nicht vermittelbar"
Kinsky sei zwar ein "g'scheiter Bursch", er habe aber nur einen MBA der amerikanischen Webster Universität in Wien und sei in London "nicht vermittelbar" gewesen, so habe er ihn über die Firma seines Ex-Mitarbeiters anstellen lassen, sagte Flöttl. Auch ein Praktikum bei Lehman Brothers habe Kinsky nur auf seine Intervention hin erhalten. Das wiederum brachte Elsner in Rage, der die Qualifikation und die Fähigkeiten seines Schwiegersohns lobte.




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