23. August 2007 15:54

BAWAG-Prozess 

Für Weninger war Elsner-Abfindung Betrug

Der Ex-Aufsichtsratspräsident wusste nichts vom Totalverlust von 1,44 Mrd. Euro, als er die Abfindung genehmigte.

Für Weninger war Elsner-Abfindung Betrug
© APA

Im BAWAG-Prozess standen am Donnerstagnachmittag das Bilanzgeld und die Abfindung der Betriebspension zur Debatte, die sich der damalige Bank-General Helmut Elsner gesichert hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bank durch die Spekulationen von Investmentbanker Wolfgang Flöttl bereits über 1,4 Mrd. Euro verloren.

Sicht der Anklage
Laut Anklage hatte Elsner zunächst eine Gehaltserhöhung verlangt und sich dann am 2. November 2000 ein außerordentliches Bilanzgeld von 581.383 Euro bewilligen und auszahlen lassen. Drei Wochen später soll er Aufsichtsratspräsident Günter Weninger durch Täuschung dazu gebracht haben, einer Abfindung zuzustimmen, die Elsner 6,82 Mio. Euro einbrachte. Damit ließ sich Elsner die Betriebspension ablösen. Die Staatsanwaltschaft ortet hinter beiden Bezügen schweren Betrug.

Sicht Helmut Elsners
"Die Idee kam von meinem Steuerberater", sagte Elsner aus. Denn: es sei ein Steuermodell eingeführt worden, das eine Abfindung eines Pensionsanspruchs deutlich begünstigte. An der Berechnung der abgefundenen Ansprüche habe er nicht mitgewirkt, so Elsner. Eigentlich hätte die Summe auf Basis des Jahresgehalts 2000 berechnet werden sollen, dürfte aber auf der Grundlage von 2001 errechnet worden sein. Ab diesem Jahr hatte Elsner eine Gehaltserhöhung.

Sicht Günter Weningers
Als der damalige Aufsichtsratspräsident Günter Weninger im November 2000 der Pensionsabfindung zustimmte und die Genehmigung des gesamten Aufsichtsrats einholte, wusste er seiner Aussage zufolge noch nicht, dass die BAWAG wieder über 400 Mio. US-Dollar verloren hatte: "Für mich ist das ein Betrug gewesen!", so Weninger. Außerdem sei die Abfindung erst auf der Basis von 2001 errechnet worden, gab Weninger zu Protokoll.

Er habe nur die halbe Wahrheit gekannt, meinte Weninger. Zu Weihnachten 2000 sei er zwar vom Vorstand über die Verluste aus den Uni-Bonds informiert worden. Dabei sei ihm aber nur ein Abgang von 350 Mio. Euro genannt worden. Dass es de facto mittlerweile 1,44 Mrd. waren, habe er nicht gewusst. Vielmehr habe er geglaubt, dass die früheren Verluste bereits aufgearbeitet waren.




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